Für sechs Monate hat sich Laurine unter der tansanischen Sonne für die ländliche Entwicklung in verschiedenen Dorfgemeinschaften eingebracht. Ihr Studium in Ökologie und Umweltplanung ist zwar nicht in erster Linie landwirtschaftlich ausgerichtet. Ihr Vorwissen in Ökologie hat dennoch dazu beigetragen, dass sie die Dorfbewohner mit Lehrangeboten unterstützen konnte. Was sie außerdem erlebte und wie sie Gott in dieser Zeit berührte, erzählt sie selbst:

 

Ein Highlight meiner sechs Monate, in der heißen und trockenen Region Shinyangas in Tansania, war an einem Samstagnachmittag. Ich wurde von einem Gemeindemitglied nach Hause eingeladen. Nach einer 40-minütigen Motorradfahrt, vorbei an typischen Szenerien, wie man sich vielleicht die ostafrikanische Landschaft vorstellt - Frauen, umwickelt mit bunten Stoffen, laufen entlang der Straße und balancieren Obst auf ihrem Kopf und Männer hocken zusammen unter einem Baum - kamen wir in seinem abgelegenem Dorf an.

 

Mein Gastgeber ist Anfang 30 und arbeitet an einer öffentlichen Schule. Dort bewältigt er täglich die Herausforderungen eines Lehrers mit 200 Schülern in einer Klasse. Mit ihm wohnen noch einige seiner Nichten und Neffen, die er alle mit seinem bescheidenen Lehrergehalt versorgt. Und trotzdem, wie so oft üblich, haben sie mir das beste Essen aufgetischt, obwohl sie nicht viel haben. Nachdem wir mit dem Essen fertig waren und uns noch über Gott und die Welt unterhielten, kamen zwei weitere Gemeindemitglieder an. Eine Woche zuvor hatte die Gemeinde, die ich in Tansania besuchte, in dem Dorf eine Evangelisation durchgeführt und war jetzt dabei eine neue Gemeinde zu gründen. Die beiden Dazugestoßenen wollten nach der wachsenden Gemeinde schauen und weiterhin den Leuten Hoffnung schenken, indem sie ihnen von der besten Botschaft erzählten. Vor allem die Region, in der ich in Tansania wohnte, hatte den Ruf, dass „witchcraft“ praktiziert wird und weiterhin sehr populär ist. „Witchdoctors“ waren allgemein bekannt und wurden oft von den Leuten aufgesucht bevor ein medizinischer Arzt besucht wurde. Spezielle kleine Hütten neben dem Haus auf dem Land waren üblich und ebenso, dass Kinder irgendwelche Knochen oder ähnliches um ihre Hüfte oder Handgelenk umgebunden hatten.

 

Noch bevor die beiden ins Haus eingetreten waren, drehte sich mein Gastgeber zu mir um und fragte, ob ich nicht predigen will. Normalerweise hätte ich gesagt „Ne, lieber nicht“ und genug Ausreden gefunden, wie zum Beispiel, dass ich ja nichts vorbereitet hatte. Stattdessen kam aus meinem Mund, was mich selbst sehr überraschte, „warum nicht“ und ich willigte ein. Leider war es schon Spätnachmittag und ich wollte vor der Dunkelheit zu Hause sein. Die anderen beiden gingen schon vor, während ich mit meinem Gastgeber überlegte, ob wir überhaupt noch Zeit dafür hatten. Wir entschieden, die verbliebene Zeit dafür zu nutzen und folgten den Beiden auf einem schmalen Weg durch das hohe Gras.

 

Kurz danach befand ich mich auf dem Lehmboden vor einem Lehmhaus. Mit mir saßen dort einige Frauen, Kinder und die Leute aus meiner Gemeinde. Später kamen noch einige Jugendliche und Männer dazu. Ich begann die gute Botschaft zu erzählen. Mein Kiswaheli war nicht gut genug um die geistlichen Vokabeln zu können, deshalb wurden meine Worte erst vom Englischen in Kiswaheli übersetzt und dann in die Stammessprache Kisukuma. Obwohl das umständlich klingt, war es, glaube ich, dennoch wertvoll, da ich das Evangelium nochmal anders erklären konnte als es die Leute hier üblicherweise oft tun und auch auf das Prinzip von Gnade nochmal eingehen konnte. Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei und ich musste los. Zum Schluss habe ich noch für sie gebetet und es war sehr berührend für alle. Zurück auf dem schmalen Weg war mein Herz gefüllt mit Dankbarkeit für diese Möglichkeit und wie es im Psalm 23 steht: Mein Becher floß über. Ich konnte Gott für seine spürbare Gegenwart nur loben. Passend dazu ging hinter mir die Sonne, die vielmehr einem großen roten Ball glich, unter und die Kreation Gottes war eingehüllt in ein schönes, warmes Rot. Die Palmen zwischen den Büschen und Schirmakazien flogen an unserem Motorrad vorbei, während ich Gott dankte auf dem Nachhauseweg. Und ich stellte fest, was ich kurz vorher noch in einem Buch gelesen hatte: das Evangelium zu teilen ist die größte Freude.