Wusstest du, dass der Ausdruck "Hakuna Matata" aus dem Suaheli stammt, tatsächlich in Kenia gebraucht wird und übersetzt "keine Sorgen" bedeutet. Dennoch tritt in Mitten der Corona-Krise häufiger die Frage auf, wie es wohl den Ärmsten der Armen ergehen wird und ob man sich Sorgen machen müsse. Erst kürzlich wurde in der Tagesschau über die Situation in Kibera, einem der größten urbanen Slums weltweit, berichtet. Noch kurz vor der Krise war Laura selbst dort und berichtet von ihren Beobachtungen, sozialen Missständen und kulturellen Unterschieden:

 

Das Besondere am kenianischen Busverkehr ist, dass der Bus erst losfährt, wenn dieser voll ist. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt dann zwischen zwei Minuten und einer Stunde, ganz davon abhängig wie viele Menschen schon im Matatu (Bus) sitzen. Eines Samstagmorgens wartete ich mit zwei Freunden ca. eine halbe Stunde bis es endlich Richtung Nairobi, genauer gesagt nach Kibera losgehen konnte. Kibera ist der größte Slum Kenias und mit seinen 1 Millionen Bewohnern gehört er zu den größten urbanen Slums weltweit. Wir trafen uns dort mit meinen Kollegen und weiteren Freunden, um gemeinsam das Kinderheim Drugfighters zubesuchen. Dort wohnen einige Kinder, deren Schulbildung durch das Patenschaftsprogramm der kenianischen NGO, bei der ich mein ChanceMent-Praktikum absolvierte, unterstützt wird.

 

Dieser Besuch war nicht Teil meiner Arbeit, sondern wurde privat von einer Kollegin organisiert. Ihr ist es wichtig, anderen Menschen Lebensnotwendiges wie Nahrungsmittel und Kleidung, aber auch Zeit zu schenken, um der Community etwas zurück zu geben. Bei Drugfighters, auf Deutsch „Drogenbekämpfer“, leben Kinder jeglichen Alters, deren Eltern oder Erziehungsberechtigte drogen- und alkoholabhängig sind. Derzeit sind es ca. 50 Kinder, die auf engstem Raum inmitten des Slums zusammenwohnen. Sie werden alle von einem Lehrer in einem Klassenzimmer unterrichtet, weil kein Geld für Schulgebühren vorhanden ist. Weitere 100 Kinder gehen auf sogenannte boarding schools (Internate) und sind nur über die Ferien im Heim. Der Großteil der Menschen in Kibera lebt von der Hand in den Mund und verdient Geld durch Gelegenheitsarbeiten wie Wäsche waschen, Gemüse verkaufen oder Schuhe putzen. Demnach beträgt das Pro-Kopf-Einkommen am Tag oftmals nur weniger als einen Euro.

 

In Kibera angekommen, warteten wir auf den Rest der Gruppe, damit es zu Fuß weitergehen konnte, denn Busse fahren im Slum nur vereinzelt. Also hieß es nochmals warten. In der Zwischenzeit konnten wir den nahegelegenen Markt besuchen. Nach einiger Zeit kamen wir bei Drugfighters an und wurden in ein Zimmer geführt, um zu warten bis die Kinder alles für unseren Besuch vorbereitet hatten. In der Zwischenzeit wurden unsere Namen notiert, um uns persönlich durch Lieder zu begrüßen: „Welcome you today, we have waited for a long, long time. Time is so near, we are so happy, because everything is gonna be fine.” ("Herzlich willkommen, wir haben lange Zeit gewartet. Die Zeit ist so nah, wir sind so glücklich, denn alles wird gut werden."). Dieses Lied brachte mich zum Schmunzeln, aber zeigte mir zugleich, wie sehr sich diese Kinder über unseren Besuch und unsere Zeit freuten. Die Direktorin erzählte uns, dass sie nicht wüsste, was sie den Kindern am Abend zu essen geben sollte, da kein Geld für Nahrungsmittel zur Verfügung stehe. Mit Tränen in den Augen freuten sie sich, wie treu Gott ist und ihre Gebete erhört hat, indem er ihnen nun Lebensmittel schickte. Gemeinsam mit den ca. 50 Kindern haben wir den ganzen Nachmittag gesungen, getanzt, Spiele gespielt und Lollis verteilt.

 

Wir brachten den Kindern durch unseren Besuch nicht nur Kleidung und Lebensmittel, sondern auch Wertschätzung, indem wir ihnen unsere Zeit schenkten. Dieser Tag hat mich persönlich sehr begeistert und auch zum Nachdenken gebracht, über die vielen Dinge, die für uns in Deutschland selbstverständlich sind, wie etwa genügend Kleidung und Nahrungsmittel. Außerdem hat mich die Gelassenheit meiner Freunde, die ich schon davor in meinem Alltag bei der Arbeit im Büro oder bei den Besuchen der Kinder aus unserem Patenschaftsprogramm erlebt hatte, angesteckt. Zeit zu haben und sich Zeit zu nehmen ist ein Unterschied. Umso wichtiger ist es, die Zeit, die uns zur Verfügung steht, sinnvoll auch im Dienst für andere Menschen, zu nutzen. Dadurch vermitteln wir ihnen Liebe und Wertschätzung. Denn nicht nur Kenianer haben Zeit, auch die Deutschen, aber es liegt an uns, wie und für was wir diese Zeit nutzen!