Das hat eine einheimische Freundin zu mir immer gesagt. Ich war zu einer - wie soll ich sagen -verrückten Zeit in Hong Kong. Wöchentlich fanden Proteste in der einst britischen Kolonie statt, Studierende hatten seit August keine Vorlesungen mehr und lernten nur noch über Online Kurse. Viele Organisationen, meine miteingeschlossen, litten darunter. Manche Menschen waren genervt von dem ständigen Ausfall der U-Bahn oder der Unsicherheit, in bestimmte Distrikte zu gehen, andere hatten Angst und waren verzweifelt.

 

Warum die Menschen aus Hong Kong auf die Straßen gehen? Diese Frage allein kann ich hier nicht beantworten, aber viele meiner Freunde missverstehen den Status „Sonderverwaltungszone“. Hong Kong ist eine ganz besondere Stadt im Südosten Chinas und hat eine eigene Regierung. Daher war ich auch auf das Sozialsystem in Hong Kong besonders gespannt und konnte es kaum erwarten, in die kantonesische Kultur einzutauchen.

 

Die Crossroads Foundation leistet Soziale Arbeit in unterschiedlichen Formen. In nachgestellten Szenen wird Schulgruppen ein tieferes Verständnis für ein Leben in Armut, die Erkrankung an Aids, das Dasein als Flüchtling oder als erblindetes Mitglied der Gesellschaft beigebracht. Auch verschiedene andere humanitäre Herausforderungen werden in einer erlebbaren Weise an die Schüler herangetragen. Simulationen lassen die Teilnehmenden die Einschränkungen oder den Kampf ums Überleben am eigenen Körper spüren. Ich durfte wöchentlich in diesen Simulationen aushelfen. Dort ist unter anderem das Bild entstanden.

 

Ein weiterer Tätigkeitsbereich der Foundation besteht im Import, der Lagerung und Umverteilung von Spendengütern. Täglich treffen Waren, wie z.B. Möbel, Haushalts- und andere elektrische Geräte, neue Kleidung, Bücher usw. ein. Diese müssen in verschiedenen Departments sortiert und eingepackt werden. Allein dieser Prozess wurde durch die Einführung der App „Good City“ beschleunigt und hilft der Weiterverteilung.  Die Hälfte dieser Güter wird an Organisationen weltweit gespendet, um beispielsweise dem Aufbau eines Waisenhauses zu helfen. Wöchentlich verlässt ein Container das Crossroadsgelände. Die andere Hälfte geht an die Einheimischen, die durch Sozialarbeiter und „GoodCity“ ein Termin in unserem „Sozialen Ikea“ buchen können. Viele dieser Einheimischen sind von Armut betroffen, aus einem anderen Land geflüchtet oder aus verschiedenen Gründen von ihren Familien verstoßen worden.

 

Außerdem befinden sich ein kleiner Laden und ein Café auf dem Gelände, die Fair Trade-Produkte aus aller Welt verkaufen. Dadurch wird die Entstehungsgeschichte einzelner Produkte und das „Fair Trade“-Label publik gemacht. Täglich trifft man neue Leute bei Crossroads, es wird nie langweilig und es gibt immer was zu tun.

 

Meine Anleiterin hat mich und meine Mitbewohnerin zu unglaublich vielen Exkursionen mitgenommen, die super spannend waren und uns einen neuen Einblick in die Kultur und das Hongkonger Sozialwesen ermöglicht haben. Bei diesen Gelegenheiten durften wir feststellen, wie hilfsbereit, offen und reiselustig die Hongkonger sind. An den traditionellen Festen, wurde ich oft von einheimischen Freunden eingeladen und konnte es kaum erwarten kantonesisch zu essen.

 

Die Unruhen vor Ort sowie die Ausbreitung des COVID-19 Virus am Ende meines Praktikums waren eine neue Erfahrung für mich. Das Chaos, diese Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in den Köpfen meiner einheimischen Freunde war nicht immer einfach zu beantworten, doch ich durfte lernen, Gott nach Antworten zu fragen und mit ihm durch den Alltag zu gehen. Ich durfte neu erfahren, dass er die Kontrolle hat und uns Menschen versorgt. Außerdem hat Gott mir gezeigt, was es heißt, mit Einschränkungen zu leben, und dass es nicht selbstverständlich ist, alles zu jeder Zeit in einem Supermarkt um die Ecke finden zu können.