Kinder rennen auf mich zu. Die Frauen, die an die Häuser gelehnt sind, blicken auf, lachen und reden. Sie schauen zu einem der Häuser und Madalo kommt aus der Haustür. „Maswera bwanji, Rahel?“, begrüßt sie mich fröhlich und bittet mich ins Haus zu kommen. Heute besuchen wir Madalo, eine Freundin von uns. Drei ihrer Kinder gehen bei uns auf die Schule.

 

Die sechsköpfige Familie wohnt in einer Hütte - vielleicht zehn Quadratmeter groß. Auf dem Boden liegt eine Matte, auf der gegessen und geschlafen wird. Das Dach ist aus Gras gemacht. Unter dem Gras sind Plastiktüten, die das ganze abdichten sollen (obwohl die auch ein paar Löcher haben). Wir betreten das Haus und sofort kommen die Cousine und die Schwester von Madalo und setzen sich dazu. Eine von ihnen ist extra aus einem benachbartem Dorf gekommen, um uns zu sehen. Die Dorfkinder gucken immer wieder gespannt zur Tür rein und Madalos Kinder setzten sich zu uns. Joanna und ich sitzen auf den Boden und Madalo erzählt uns, dass sie das Haus selbst gebaut haben und verschiedene Typen von Erde benutzen um zu bauen und damit auch die Wände zu streichen. Sie fragt uns, ob wir auch rote, weiße, dunkelbraune und hellbraune Erde in Deutschland haben und wir reden ein bisschen über Hausbau. Madalo hat Reis mit Tomate und Ei gekocht, was mich berührt. Ich weiß, dass sie nicht das Geld haben ein Hühnchen für uns zu schlachten (was hier in Malawi ein Zeichen von Gastfreundschaft ist). Trotzdem war es ihnen wichtig ihre Dankbarkeit zu zeigen und es gibt ihr Festtagsessen Reis. Auch Ei ist etwas besonderes für sie.


Nach dem Essen zeigt Madalo uns ihr Village. Es ist das Village ihrer Mutter und gefühlt sind alle Leute verwandt und sehen sich ähnlich. Madalo stellt uns den Leuten vor. Fünf- oder Sechsmal rollen die Leute ihre Matten für uns aus und laden uns ein uns zu ihnen zu setzen. Da sitzen wir dann fünf Minuten und dann laufen wir weiter. Am süßesten ist eine uralte Frau (die Schwester von Madalos Großmutter, glaube ich), die uns umarmt und immer wieder unsere Hände halten will und als Madalo ihr erzählt, wir hätten gefragt, ob sie uns Lazaro zeigt, lacht ihre Großtante und sagt: „Ich bin Lazaro“. Es ist schön, wie sehr sich die Leute über unseren Besuch freuen. Mir wird es ganz warm ums Herz und ich fühle mich sofort zu Hause an diesem Ort, der so anders ist als mein eigentliches Zuhause. Die Leute hören gar nicht auf sich für unseren Besuch zu bedanken und (wie so oft) fühle ich mich dabei eher als Beschenkte. Am Ende des Nachmittags fahren wir glücklich (mit einer riesigen Tüte Erdnüsse, die uns geschenkt wurde) auf unseren Fahrradtaxis nach Hause. Madalos Mann begleitet uns bis zu unserer Haustür und wir blicken zurück auf einen Tag, der mir sehr viel wert ist. Das macht für mich Malawi aus. Nicht die schöne Landschaft oder das gute Wetter. Was meine Zeit hier ausmacht sind die Begegnungen und Beziehungen, die wachsen durften.