#6 Spontanbesuche sind etwas Alltägliches in Malawi. Ich habe ein wenig Zeit gebraucht das zu verstehen. Einladungen gibt es nicht oft, es wird erwartet, dass man einfach vorbei kommt. An Bemerkungen wie: „Warum seid ihr nicht schon früher mal vorbei gekommen?“, haben uns ahnen lassen, dass man hier unangekündigt besucht.

Klopf. Klopf. Ich öffne die Tür und vier Kinder stehen dort. „Teacher is come for playing?“ fragt mich Cathreen aus der 2. Klasse und hält mir ein paar Blumen entgegen: „That‘s for you.“ Ihre zwei Freundinnen (zusammen mit der kleinen Schwester auf die aufgepasst wird) lerne ich auch ganz schnell kennen. Ich hole die Spielkarten, die Kids setzen sich auf einen Betontisch, der in unserem Garten steht und wir fangen an zu spielen. Nach ein paar Runden werden mir ein paar Kunststücke auf dem Rasen vorgeführt, die ich natürlich bewundere. Mit der Zeit kommen immer mehr Kinder dazu und wir spielen zusammen im Garten.

Als wir gestern zum Beispiel bei unseren Nachbarn vorbei geschaut haben, um sie zum Essen einzuladen hieß es gleich: „Kommt und setzt euch hin.“ Nach einiger Zeit wurde dann Tee und Gebäck angeboten und nachdem der Mann mit der Tochter aus der Stadt heim gekommen war und wir meinten, dass wir langsam auch mal gehen müssten hieß es dann: „Wir haben schon Nsima für euch mitgekocht, der gleich fertig ist.“ So kann aus einem „kurzem Vorbeigucken“ eine 3 Stundensache werden.

Genauso mit Prisca, mit der ich Chichewa lerne: Als wir unsere wöchentliche Chichewa-Stunde auf heute Nachmittag verschoben haben, heißt es nach dem Lernen: „Jetzt ist genug. Jetzt müssen wir essen.“ und ich finde heraus, das die Spagetti, die sie während dem Lernen auf dem kleinem Kohlegrill gekocht hat, eine Portion für zwei ist. Das ist immer wieder überraschend wie selbstverständlich es hier ist, dass man eingeladen ist. Oft so selbstverständlich, dass man nicht einmal gefragt wird. Weil man hier auch nicht so verplant ist wie in Deutschland. Man muss nicht fragen: „Hast du Zeit noch mit uns zu essen oder hast du einen anderen wichtigen Termin?“ Man freut sich einfach über die Leute, die einen besuchen, genießt das Reden miteinander und plant sie automatisch ein. Darum muss man auch nicht fragen, ob man vorbei kommen kann, weil man eigentlich immer willkommen ist. Vielleicht weil hier die Menschen wichtiger eingeschätzt werden, als die Arbeit, die man gerade tut. Ich glaube, ich möchte mir das in Deutschland auch mehr angewöhnen: Einfach spontan besuchen, weil man sich immer an den Menschen freuen kann.

Liebe Grüße eure Rahel