“It’s time for…?” – “MATHS!”, ruft die gesamte Klasse als Antwort auf Teacher Justinas Frage. Justina zählt bis zehn und die Kinder machen zuerst ein paar Hampelmänner, um ein wenig Energie abzubauen. Jeden Morgen bin ich für eine Stunde in der dritten Klasse, um dort im Matheunterricht zu helfen.

Meine Aufgabe besteht darin Peter zu helfen, der in Mathe Schwierigkeiten hat. Vor allem das Konzentrieren auf die Tafel vorne fällt ihm schwer. Also habe ich angefangen, alles noch ein zweites Mal durchzusprechen, was Justina davor erklärt hat. Die Übungsaufgaben haben wir dann alle zusammen gemacht, aber mit der Zeit haben Peter dann irgendwann nur noch die ersten Aufgaben zusammen mit mir gemacht. Dann hat er angefangen die anderen Aufgaben alleine zu lösen. Und schließlich kam der Tag an dem Peter das erste Mal das ganze Arbeitsblatt alleine lösen konnte und ich einfach unglaublich stolz auf ihn war. Inzwischen sitze ich am Anfang immer noch neben ihm (vor allem, wenn wir ein neues Thema anfangen), ich schaue, ob er die Aufgaben versteht, erkläre gegebenenfalls kurz, was er machen muss und habe danach Zeit den anderen Kindern zu helfen.

Einige verstehen nicht so viel Englisch, weil sie aus den Dörfern kommen und ich muss mit Händen und Füßen und meinem einfachstem Englisch (und manchmal sogar malawischem Akzent!) erklären. Andere können nicht so gut lesen und verstehen nur die Aufgabenstellung nicht. Wieder andere sind einfach unsicher und brauchen einfach ganz viel Bestätigung. Es ist schön den Kids helfen zu können. Vor allem, weil Mathe in meiner Schulzeit wirklich nicht gerade mein Lieblingsfach ist. Aber da merke ich auch wieder wie Gott mich in Bereichen gebrauchen möchte, die ich mir selbst nie als Erstes ausgesucht hätte. Und ich merke wie bereichernd es dann aber doch ist.

Anders als in den Fächern Bücherei und Musik, konzentriere ich mich noch viel mehr auf einzelne Schüler, und kann dadurch noch viel mehr kleine individuelle Fortschritte sehen. Jedes Kind hat einen anderen Grund, warum ihm das Lernen schwer fällt und es bringt Freude herauszufinden, wie genau man jedes einzelne Kind am Besten unterstützen kann. Bei manchen Kindern ist es einfach nur eine sanfte Hand auf dem Rücken und ein freundliches “Wollen wir mal anfangen abzuschreiben?” oder ein: “Wow die Aufgabe hast du ja ganz ohne mich geschafft. Du kannst es. Schaffst du die anderen auch ohne mich?” Es ist ermutigend, wie viel es bewirkt in einem liebevollem Ton mit den Kindern zu reden und auf einmal Begeisterung in den Augen zu sehen ist, wenn den Kids klar wird: “Da ist jemand, der mir was zutraut und für mich da ist.”

Eure Rahel