Die Weihnachtsdeko sieht hier mehr aus wie an einem Kindergeburtstag. Statt Sternen, haben wir dieses Jahr süße Weihnachtsgiraffen und -hippos mit unserer Kollegin Faith gebacken. Bei 40°C hat man hier mehr Angst vor einem Hitzeschlag als vor einer Erkältung wie sonst. Aber trotz allem hat sich dieses Jahr Weihnachtsstimmung bei mir breit gemacht.

Nach langen Proben in der prallen Sonne war es am letzten Schultag endlich soweit. Wir waren erstaunt, wie viele Eltern sich, trotz der Planting Season, auf den Weg gemacht haben, um zu unserem Ebenezer Christmas-Play zu kommen. Unser Stück wurde aus der Perspektive der "Drei Weisen" erzählt und zwischen drin gab es immer wieder Gesangseinlagen. Dafür habe ich jeder Klasse ein Lied beibringen dürfen, dass sie dann ganz stolz vorgetragen haben. Das Theaterstück war total schön und äußerst witzig. Die Kinder und Lehrer (eine unserer Lehrerinnen hat das Stück geschrieben) haben alle viel Mühe reingesteckt und das hat man gemerkt. Für mich war es eine echt neue Erfahrung, das Krippenspiel, das man schon so oft gesehen hat, dieses Mal auf afrikanisch zu erleben. Es ist ganz ungewohnt, wenn Maria statt dem blauen Tuch plötzlich einen Chitenje und Turban trägt.


Die Kinder haben mit voller Seele gespielt und mit voller Inbrunst sich in ihrem malawischen Englisch die Textpassagen an die Köpfe geworfen. Dadurch, dass es so ungewohnt aussah konnte man sich noch mehr auf die Geschichte konzentrieren. Und als Herodes ausgerastet ist oder die Frauen ängstlich ihre Babys umklammerten, war das dieses Mal noch viel intensiver.

Ich habe das Gefühl, ohne das ganze Drumherum, das man in Deutschland hat, noch mehr Zeit zu haben, mich dem Ursprungsgedanken von Advent widmen zu können. Oder vielleicht habe ich garnicht unbedingt mehr Zeit, sondern ich nehme mir bewusster Zeit: Meine Familie hat mir ein kleines Adventspäckchen geschickt, in dem unter anderem ein Tee-Adventskalender drin war. Jeden Tag mache ich mir meinen Tee, setze mich auf unseren Balkon und trinke einen Tee mit Gott. Mir ist das (schon vor der Adventszeit) echt wichtig geworden und so habe ich immer wieder meine "Teatime" mit Gott.

Manchmal wirkt Gott im Alltag ziemlich weit weg. Dabei wird mir immer wieder bewusst, wie nah Gott eigentlich ist. Dass ich mich nicht anstrengen muss, ein Gebet in den Himmel zu transportieren, sondern dass er in meinem Herzen wohnt. Und wenn ich da sitze mit meiner Tasse Tee in der Hand, dann erzähle ich Gott einfach was mich bewegt, so als ob er neben mir sitzt. Ich erzähle von den Sachen, die mir schwer fallen, aber auch von den Dingen, die mich freuen. Und wir freuen uns zusammen oder sind zusammen traurig. Und ab und zu mache ich eine Pause und warte auf eine Antwort. Und die kommt nicht ganz groß und spektakulär als Stimme vom Himmel. Sie kommt von ganz, ganz tief innen in meinem Herzen. Weil das der Ort ist, wo Jesus wohnt. Und darum geht es mir im Advent: Um die Ankunft von Jesus. Der nicht irgendwo im Himmel weit weg wohnt, sondern an der an Weihnachten als Mensch, auf die Erde gekommen ist – und weil ihm das noch nicht nah genug war, nun in meinem Herzen leben möchte.