82 Tage. So lange dauert es von Nkhoma nach Stuttgart zu wandern – zumindest wenn man Google Maps vertraut (und 24 Stunden am Tag läuft). Ein Sprichwort, über das wir auf dem Rückkehrerseminar geredet haben, besagt: Die Seele geht zu Fuß. Und während mein Körper zwar schon lange hier in Deutschland ist, fühlt es sich manchmal noch so an, als ob sich meine Seele noch irgendwo zwischen Malawi und Deutschland befindet.

 

Manches war anfangs sehr ungewohnt: Dass unser Haus so hell und sauber ist, die Fahrertür im Auto auf der anderen Seite ist, dass alles so sauber aussieht und meine Füße abends nicht staubig sind, dass das Internet schnell funktioniert und immer da ist, keine Röcke tragen zu müssen, die riesige Essensauswahl und -vielfalt, Wasser aus dem Hahn zu trinken oder dass die Moskito hier kein Malaria übertragen. Manchmal ertappe ich mich noch dabei wie ich mein Akku für die Stromausfälle spare oder Angst habe, dass Ameisen die Schokolade auf meinem Schreibtisch essen.


Wenn ich Leute treffe, werde ich oft gefragt: „Und? Bist du schon angekommen?“ Die Frage ist schwer zu beantworten. Manchmal denke ich: Ja. Ich fühle mich wohl hier mit meiner Familie, mit meinen Freunden. Man gewöhnt sich an den deutschen Alltag. Autofahren klappt zum Beispiel inzwischen wieder gut. Und dann gibt es wieder Momente, in denen ich denke: Nein. Wenn ich in meinem Zimmer aufwache und es ist zu voll mit Dingen, die ich nicht brauche und ich wünschte ich hätte einfach nur eine Matte auf dem Boden und einen Kleiderhaufen an der Wand.


Was ich lerne ist: Mir selbst Zeit zu lassen. Ich muss noch nicht in allen Bereichen komplett angekommen sein. Und es darf sich manches auch erst mal komisch anfühlen. Ich habe ein Jahr in einer anderen Kultur gelebt und versucht mich mit den Menschen dort zu identifizieren. Ich habe vieles mitgebracht und gelernt. Manches setze ich hier schon um und manches sucht eben noch nach einem Weg, wie es in Deutschland umgesetzt werden kann.


Ich bin unglaublich dankbar für dieses Jahr in Malawi. Für Freundschaften, dafür dass ich mich selbst mehr kennen lernen durfte, für Herausforderungen an denen ich wachsen durfte, Liebe, die mir entgegen gebracht wurde. Ich fühle mich zu Hause in Malawi. Und trotzdem weiß ich: Es ist Zeit, hier in Deutschland zu sein. Und obwohl ich noch nicht ganz angekommen bin, fühle ich mich zu Hause. Weil mein Zuhause bei Gott ist. Und wenn ich zur Ruhe komme und bete, oder Bibel lese oder Gitarre spiele, dann fühle ich mich zu Hause. Das Schöne an Gott ist, dass er überall ist und wenn ER meine Heimat ist, bin ich überall zu Hause.