„Krieg hat seine Zeit wie auch der Frieden.“ Im Moment herrscht Frieden in Ruanda, aber das war vor 20 Jahren nicht so. Einhundert Tage lang gedenkt das ruandische Volk dem Genozid, der 1994 hier stattgefunden hat. Die Menschen erinnern sich, schauen aber gleichzeitig unter dem Motto „Never again“ in die Zukunft.

„Kwibuka 20 – remember - unite - renew“, diesen Slogan lesen wir auf großen Plakaten an fast jeder Kreuzung hier in Kigali. 20 Jahre sind seit dem grausamen Genozid hier in Ruanda vergangen. Eingeleitet wurde die Trauerzeit mit einer offiziellen Gedenkwoche. Geschäfte blieben geschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren nicht mehr, es gab Veranstaltungen und Reden, in denen der Opfer gedacht wurde. So zum Bespiel beim „Walk to remember“ vom Parlament zum Stadion, an dem auch wir teilnahmen. Bei der anschließenden Trauerzeremonie konnte man vor allem die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft spüren.


Viele Ruander haben während des Genozids Angehörige verloren und sind zu Witwen und Waisen geworden. Nicht selten sind auch die Schicksale der Kinder im Straßenkinderprojekt auf das zurückzuführen, was 1994 in diesem Land passiert ist und so sind wir herausgefordert uns mit der Vergangenheit dieses Landes auseinander zu setzen. Dies tun wir bei Gesprächen mit den direkt oder indirekt Betroffenen, beim Besuch von Gedenkstätten oder aber auch einfach nur mitten im Alltag, im Umgang mit den Kindern.

 

Für uns war es wichtig, den Leuten zu zeigen, dass wir Anteil nehmen, an dem was ihnen, ihren Familien und ihrem Land widerfahren ist, obwohl wir damals nicht dabei waren. Deshalb haben wir auch die große Trauerzeremonie im Stadion besucht.

 

Die Menschen haben sich erinnert, doch wir haben vor allem gespürt, dass sie sich vereinen, dass sie vorsichtige Schritte auf dem Weg der Erneuerung gehen. Ruanda ist gezeichnet von seiner Vergangenheit, doch es hat bereits bewiesen, dass es in der Lage ist, in eine hoffnungsvolle Zukunft zu schreiten. Das stimmt uns glücklich. Wir sind sehr froh, dass Gott uns die Möglichkeit gibt, durch unsere Arbeit einen winzig kleinen Teil dazu beizutragen.


Der Krieg ist vorbei, Wunden sind am Heilen und Gott am Wirken. Dafür sind wir unendlich dankbar und wir wünschen uns und beten für einen beständigen Frieden in diesem Land.


Gottes Frieden sei mit euch allen,


Elli und Nicole