Wie geht es den Menschen in Beirut nach der Explosion? Yassir Eric war vor Ort und berichtet für idea.

 

Bei meinem Besuch sah vieles in Beirut aus wie nach einem Krieg. Zerstörte Häuser, wohnungslose Familien und viele bettelnde Kinder. Ein kleiner Junge saß weinend am Straßenrand. Er wurde von seiner Familie losgeschickt, um zu betteln und Müll zu verkaufen. Doch das mühsam erarbeitete Geld wurde ihm gestohlen, und er traute sich ohne das verdiente Geld nicht nach Hause. So wie ihm geht es vielen. Noch sind die Temperaturen angenehm, aber der Winter wird viele vor noch größere Herausforderungen stellen. Dabei ist das Land bereits seit Jahren gebeutelt durch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Spannungen, den Bürgerkrieg im benachbarten Syrien und die damit verbundene Abwanderung von zwei Millionen Syrern in das vergleichsweise kleine Libanon. Bereits vor Corona und den Explosionen hatte das Land große, aus menschlicher Sicht unlösbare Probleme. Viele syrische Flüchtlinge, die ich persönlich kenne, haben in den vergangenen Monaten ihre Arbeit verloren. In einem Land wie dem Libanon, wo es keinen Sozialstaat gibt, bedeutet das: keine Arbeit, kein Brot.

 

Die Explosion weckt Erinnerungen
Für mich entstand nun bei meinem Besuch in Beirut der Eindruck, dass den Menschen durch die Explosion das Letzte genommen wurde. Ich hörte von einem Bekannten, dass sein 15-jähriger Sohn am Fenster saß, weit entfernt von der Explosion, als das Fenster durch die Druckwelle zerbarst und den Jungen in den Tod riss. Ein Taxifahrer erzählte mir, dass er seine Eltern und mehrere Geschwister verloren hat. Bei all dem Leid, das sich mir zeigte, kann ich nicht anders, als an die ersten Verse aus Genesis 1 zu denken: „Die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe.“ Ich sah diese Zerstörung und Finsternis nicht nur in der Stadt Beirut, sondern auch im Inneren der Menschen. Viele erinnert das Bild der Zerstörung an den Bürgerkrieg. Sie empfinden eine große innere Wut auf das korrupte politische System. Viele syrische Flüchtlinge ließen die Schrecken ihrer Heimat hinter sich und können nun nachts nicht mehr schlafen, weil durch die Explosionen und Zerstörung dunkle Erinnerungen wach wurden.

 

Licht in all der Finsternis
Doch die Stelle aus Genesis 1 geht noch weiter: „… und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ Ich erlebte, dass Gottes Licht durch die einheimischen Christen im Dunkeln hell leuchtet. Obwohl sie allen Grund haben zu klagen, am Boden zerstört zu sein und an Gott zu zweifeln, war ich beeindruckt von ihrem tiefen Gottvertrauen und wie sie den von der Explosion Betroffenen helfen. Durch sie wird Gott in all dem Chaos sichtbar.

 

Gebetsmarsch durch die Straßen
Gemeinsam mit einer kleinen Hausgemeinde zog ich in einem Gebetsmarsch durch die Straßen Beiruts. Wir beteten für die Menschen,und ich war tief berührt davon, dass sie weiße Rosen als Zeichen der Hoffnung verteilten. Immer wieder zitieren sie dabei Jesus aus Johannes 16,33: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

 

Bitte beten Sie!
„Erzähl den Menschen, wie es uns hier geht“, sagte ein Taxifahrer zu mir. Das möchte ich gerne tun und Sie gleichzeitig bitten, für die Menschen im Libanon zu beten. Sie benötigen Medikamente, Essen und Wohnraum, aber auch Hoffnung und inneren Halt. Die einzige Rettung für diesen am Boden liegenden, ausblutenden Libanon ist Jesus und sein Licht, das jetzt schon durch die Christen im Land hell wird.

 

Yassir Eric, Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen in Korntal (bei Stuttgart), ist als Redner und Referent in Deutschland und im Nahen Osten unterwegs. Der aus dem Sudan stammende Theologe reiste nach dem Unglück in den Libanon, um die Christen im Land zu besuchen. Bei der Explosion im Beiruter Hafen am 4. August kamen über 190 Menschen ums Leben, 300.000 wurden obdachlos.

 

idea-Bericht über die Geschichte und generelle Lage im Land finden Sie hier

Interview mit Tobias Haberstroh lesen Sie hier

Video einer Mitarbeiterin der Resurrection Church Beirut über die Situation und die Hilfe vor Ort

 

Weitere Infos zum Projekt