Während zu Hause die Temperaturen um den Nullpunkt jonglieren und der Weihnachtsrausch beginnt, Massen an Geschenken besorgt werden und schillernder Glanz beinahe kein Ende findet, erlebe ich meinen dritten Freiwilligendienstmonat bei 19 Grad Celsius und starkem Wind im Norden Israels, Galiläa. Der Ort an dem das kommende Weihnachtsfest begann…

 

Ich stehe in der Verkündigungsbasilika in Nazareth, wohl der Ort, an dem der Erzengel Gabriel Maria die Botschaft überbrachte, sie werde den Sohn Gottes gebären. Erstaunt und skeptisch zugleich sehe ich Menschen zu, die vor der durch Stahlgitter abgesperrten Grotte niederknien und die Steine küssend ihr Haupt neigen. Wie steht es um Weihnachten und die Adventszeit? Ist es nicht irgendwie verdreht, dass die größte Kirche des Nahen Ostens über diesem Ort steht, an dem der Herr eine einfache Frau beruft den Messias zu gebären? Ja, Jesus kam als der siegreiche König und ja, er kam als Herr, doch zugleich demütig, klein und leise.

 

Vielleicht ist es gerade der Weg zu einer neuen Erkenntnis, auf den Gott mich in diesem Jahr im verheißenen Land gebracht hat. Hier in meinem Kurzeinsatz in Shefar’am habe ich zwar mittlerweile in meinen Ansprechpartnern eine neue Familie gefunden, Weihnachten werde ich jedoch trotzdem ohne die eigenen Eltern, Geschwister, Großeltern und den Geschenkeberg feiern.

 

Doch gerade diese andere Umgebung macht mich frei, die Auswirkungen vom menschgewordenen Sohn Gottes auf die Menschheit ganz besonders zu sehen: Da sind arabische und jüdische Geschwister im Glauben, die betend auf die Knie gehen und sich an den Händen halten, bewegt von neuer Versöhnung. Und das in einem Land, das heute noch geprägt ist von einem Spalt zwischen Völkern, geprägt von Ungerechtigkeiten. Doch im Namen Jesu liegt die Kraft, massive Mauern des Hasses niederzureißen. Da sind Kinder und Jugendliche von unserem Projekt King’s Kids, die auf dem wie zu Zeiten Jesu gestalteten Weihnachtsmarkt im Nazareth Village zur Ehre Gottes tanzen und die Freude an der Geburt ihres Retters zum Ausdruck bringen. Sie zeigen durch ihre Aufführungen kraftvoll, was das Kind im Stall in ihrem Leben freigesetzt hat. Ich erlebe, wie durch die Gefängnisarbeit Straftäter eine neue Lebensperspektive in Jesus bekommen und ihr Leben radikal ändern, genauso wie jüdische und arabische Familien sich neu füreinander entscheiden, um keiner Macht, die Chance zu geben Beziehungen zu zerschlagen.

 

Vielleicht soll mir dieses Weihnachten, 3000 km entfernt von zu Hause, eine ganz neue Ausrichtung geben: Ist es nicht auch für mich Zeit, wie die Weisen aus dem Morgenland Jesus mein Wertvollstes vor die Füße zu legen? Ist es nicht Zeit, wie die Hirten alle Arbeit stehen und liegen zu lassen, um in der Stille dem Retter der Welt zu begegnen? Ist es nicht Zeit, wie Simeon Gott jubelnd zu loben, dass wir den Retter der Welt real in unserem Leben sehen dürfen? Ja, das soll mir in diesem Auslandsjahr im Land des Herrn wichtig sein! Wie ist es bei dir?