Ich bin seit September 2018 als Freiwillige in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Dort unterstütze ich die Missionsorganisation „Propósito Global“. Vier Tage pro Woche arbeite ich in einer christlichen Stiftung, in der Kinder wohnen, die aus schweren familiären Verhältnissen kommen. In sieben Wohnhäusern wohnen je ca. 10 Kinder zwischen 0 und 21 Jahren und eine Pflegemama. Zu der Stiftung gehört auch eine Schule. Ich unterstütze morgens die Klassenlehrerinnen der Grundschule im Unterricht und nachmittags die Pflegemamas in den Wohnhäusern. Einen Arbeitstag bin ich im Büro von Proposito Global und arbeite bei unterschiedlichen Aufgaben mit. Das ist die grobe Struktur meines Alltags, jedoch gilt hier in Ecuador eindeutig, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Umplanungen und Änderungen sind genauso fester Bestandteil dieses Alltags, und man weiß selten morgens, was der Tag bringen wird. Das ist für mich immer wieder eine Herausforderung, aber ich merke auch, wie Gott dadurch soviel Schönes entstehen lässt. Ich möchte von einer Erfahrung berichten, die meine Zeit als Freiwillige hier ziemlich gut repräsentiert.

 

Vor einiger Zeit wurde ich zu einem Workshop an einem theologischen Seminar hier in der Nähe eingeladen. Dieser sollte Freitagnachmittag stattfinden und es ging darum, wie man in einer Minute von seinem Glauben sprechen kann. Ich wollte dort wirklich gerne hin, schlug die Idee erst aber aus, da ich ja nachmittags in der Stiftung arbeite. Nach einiger Überlegung kam mir die Idee, zu fragen, ob ich nicht einfach mit ein paar der Jugendlichen, die in der Stiftung wohnen, gemeinsam zu dem erwähnten Workshop gehen könnte. Ich fragte also die Leiterin der Stiftung um Erlaubnis, und sie fand es eine gute Idee. Ich konnte mit 3 Mädels zwischen 17 und 21 Jahren teilnehmen und wir hatten viel Spaß. Bei dem Workshop bekamen wir Zeit, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und sollten gleich mit Leuten auf der Straße über den Glauben ins Gespräch kommen. Es war sehr beeindruckend, zu hören, wie eines der Mädels einem Mann, den wir trafen, seine Geschichte erzählte. Wie sie in die Stiftung kam und dort Gott kennenlernte. Es war ein sehr ermutigender Moment – zu sehen, wie Gott sie als Licht gebraucht. Bei dem Workshop war auch mein Gastpapa. Er bot uns spontan an, die Mädels mit dem Auto zurück zur Stiftung zu bringen. Wir fanden das eine gute Idee und machten uns gemeinsam auf den Weg. Im Auto hatten wir die Idee, dass die Mädels mich gemeinsam mit meiner Gastfamilie zu einer Tanzpräsentation begleiten könnten, die meine Gastschwester an diesem Abend hatte. Sie selbst waren sehr interessiert und begeistert von der Idee. Das wäre so cool! – meinten sie. Ich bekam die Einwilligung der Stiftung und wir verbrachten einen wirklich schönen Abend gemeinsam.

 

Das liebe ich an der ecuadorianischen Kultur – das Gefühl von Familie, die Gastfreundschaft, die Herzlichkeit und Spontanität. Ich selbst fühle mich in den meisten Beziehungen vor Ort wie in einer großen Familie. Es fordert mich als Europäerin immer wieder heraus, mich der Spontaneität zu öffnen, aber gleichzeitig wachse und profitiere ich davon in großem Maße! Auch im Glauben wachse ich darin, zu lernen dass „der morgige Tag für sich selber“ und Gott für mich sorgen wird, besser als ich es jemals könnte. Er ist derselbe auf der ganzen Welt und kann mir ein Gefühl von Heimat auch in Ecuador schenken, wo seine Gegenwart ist und wir als Christen eins sind. Wenn ich nur offen bin und mich ganz seiner Führung hingebe, kann ich gemeinsam mit anderen die tollsten Sachen erleben und jeder kann auf seine Weise Licht sein!

 

“Soy pobre y necesitado, pero mi Dios cuidará de mí.” – Ich bin arm und elend, der HERR aber sorgt für mich. Psalm 40,18