Ende August hieß es für mich: „Bereit machen für den Flug von Stuttgart nach Bukarest – auf ins Abenteuer Rumänien!“ Konkret bedeutete das: Meine Heimat Vaihingen/Enz, wo ich 16 meiner 18 Lebensjahre verbracht habe, zu verlassen und neue Wege in einem für mich bislang noch unbekannten Land zu gehen.

Bereits in den ersten Tagen in meinem neuen Umfeld durfte ich erkennen, dass sich das Rumänien meiner Vorstellung doch sehr deutlich von dem der Realität unterscheidet. Auffallend ist, dass die Schere zwischen arm und reich in dem osteuropäischen Land sehr weit auseinander geht. Vor allem in ländlichen Gebieten, wo Straßen nicht geteert sind und Pferd und Kutsche noch nicht vom Auto verdrängt wurden, merkt man, dass Rumänien eines der ärmsten Länder unseres Kontinents ist. Diese Unterschiede tagtäglich wahrzunehmen fasziniert mich einerseits, andererseits macht es mich nachdenklich. Obwohl wir unseren Alltag oft nicht so empfinden, schenkt Gott uns aus reiner Gnade jeden Tag so viele Gründe, um dankbar zu sein.


Am Fackelträgerzentrum „Purtătorii de Făclie“ (PdF) im rumänischen Râșnov bin ich nun ein Mitglied des dortigen Bauteams und arbeite am weiteren Aufbau des Zentrums mit. Wir arbeiten derzeit vor allem am Innenausbau eines neuen Mitarbeiterhauses. Ganz konkret heißt das: Wände und Decken schleifen und streichen, Holzdeckenverkleidung anbringen. Einmal in der Woche habe ich außerdem die Gelegenheit, Gottes frohe Botschaft in einer Jungschar weiterzugeben. Es fasziniert mich seither, Menschen aus einer anderen Kultur kennenzulernen und zu beobachten, wie sie sich in manchen Dingen zwar anders verhalten, aber wie wir Gott erfahren, mit ihm Zeit verbringen und ihn loben.


Auch wenn ich es als ein Privileg empfinde, täglich praktisch an Gottes Reich zu bauen, wurde mir in letzter Zeit mehr und mehr bewusst, dass Nachfolge eng mit Dienen verbunden ist. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Wenn jemand der Erste sein will, muss er den letzten Platz einnehmen und der Diener von allen sein“ (Markus 9,35). Auch wenn sich das für uns nicht immer nach Freude anhört, bin ich überzeugt, dass dies auch Gottes Wille für mein Leben und meinen Dienst in Rumänien ist. In den vergangenen Wochen konnte ich meine neue Umgebung im früher so fern erscheinenden Rumänien kennenlernen. Gott hat mich von einem "Tourist" zu einem Einheimischen gemacht.