Der Jemen ist schon in der Bibel erwähnt. Von dort soll die sagenumwobene Königin
von Saba stammen, die König Salomo in Jerusalem aufsuchte. Aus dem einst so mächtigen Reich, das Dreh- und Angelpunkt des Handels auf der Arabischen Halbinsel war, ist heute das ärmste im gesamten Nahen Osten geworden – versunken in einem
Mehrfrontenkrieg. Kämpfe, Hunger, Cholera und jüngst auch das Coronavirus haben die
Bevölkerung fest im Griff. Für ehemalige Muslime, die Christen wurden, ist die Lebensgefahr noch einmal deutlich höher.

 

Einige mutige Christen bleiben
Nahezu alle Jemeniten sind Muslime. Die Zahl der Christen im Land ist verschwindend
gering, verlässliche Zahlen gibt es keine. Wer sich zu Jesus bekennt, droht der Ausschluss aus der Familie – der einzigen verlässlichen Struktur in diesem Land. Doch damit nicht genug: Wer von Jesus weitererzählt, riskiert sein Leben. Viele werden bedroht, inhaftiert oder gar ermordet. Diese Verfolgung geht sowohl von radikalen Muslimen in der Bevölkerung als auch von den jeweiligen lokalen Machthabern wie den
Huthi-Rebellen oder der Regierung aus. Dahinter steckt ein Geflecht aus religiösen und
machtpolitischen Motiven. Viele Christen fliehen wegen des immensen Drucks aus
ihrer Heimat, um der Verfolgung zu entkommen. Einige Mutige bleiben jedoch und helfen ihren durch den Krieg völlig verarmten Landsleuten mit Essenspaketen in der
Not. Diese Verteilungen zählen zu den wenigen Möglichkeiten, um nicht nur Brot und
Nächstenliebe weiterzugeben, sondern auch im Geheimen das Evangelium zu erzählen.
Evangelisation kann nur auf diesem Wege geschehen, denn die Einladung eines Außenstehenden zu einem Gottesdienst wäre für die dort Anwesenden äußerst gefährlich. Offiziell existieren keine Gemeinden im Land. Die wenigen Christen treffen
sich heimlich in Hauskirchen.

 

Im Huthi-Gefängnis – kein Lebenszeichen
Welche Konsequenzen das jedoch haben kann, berichtet ein Mitarbeiter der lokalen Partnerorganisation von Hilfe für Brüder: „Ein Bruder ist bereits seit mehr als sechs Monaten im Gefängnis, weil er anderen von Jesus erzählt hat. Vermutlich wird er auf unterschiedliche Art und Weise gefoltert. Leider wissen wir nichts Genaueres, da niemand ihn besuchen darf.“ Von dem Mann fehlt jedes Lebenszeichen. Eine Menschenrechtsorganisation einzuschalten, würde seine Familie gefährden.

 

Gerade noch entkommen
Auch eine andere Familie hätte beinahe das Schicksal dieses Christen geteilt. Ahmad
und Fatma (Namen geändert) waren gerade mit ihren beiden kleinen Töchtern auf
dem Heimweg. Sie hatten in einem entlegenen Gebiet Lebensmittel an hungernde Familien verteilt und dabei von der Liebe Jesu erzählt. An einem Grenzposten wurden die Christen angehalten. Die lokale Polizei hatten von der Verteilaktion Wind bekommen
und den Soldaten von der Familie berichtet. Nun sollten diese Ahmad für ein Verhör zurückholen. Mit großer Mühe überredete der Familienvater die Soldaten, seine Frau und Kinder vorher nach Hause bringen zu dürfen. Dort angekommen, vernichteten
sie alles, was auf ihren christlichen Glauben hindeuten könnte. Anschließend flohen sie mithilfe eines einflussreichen muslimischen Bekannten, der selbst aber keinen großen Wert auf Religion legt, ins Ausland. Sie waren dem Verhör und seinen möglichen schlimmeren Folgen entkommen. Trotz der hinter ihnen liegenden angstvollen Stunden möchten Ahmad und Fatma in ihre Heimat zurückkehren, sobald die Soldaten sie in den Wirren des Krieges vergessen und nicht mehr nach ihnen suchen. Sie wollen dort ihren Landsleuten weiter von Jesus zu erzählen.

 

Schlimmste Hungersnot seit 100 Jahren
Immer wieder kommt es zu Bedrohungen und Festnahmen von Christen. Dennoch evangelisieren sie weiter. Und die humanitäre Hilfe, die sie dabei leisten, ist bitter nötig: Bereits vor dem Krieg war der Jemen das ärmste Land im Mittleren Osten. Doch die seit fünf Jahren andauernden Kämpfe haben das Land an den Rand der schlimmsten Hungersnot seit 100 Jahren getrieben. Die Menschen haben kein sauberes Wasser und viele wissen nicht, wann sie die nächste Mahlzeit bekommen. Den Kindern wird jede Kindheit geraubt. Es findet kaum noch Unterricht statt, da viele Schulen geschlossen sind und die Lehrer nicht bezahlt werden. Stattdessen spielen sie in Häuserruinen und
mit Waffen, die sie dort finden. Am Straßenrand kann man häufig Kinder sehen, die versuchen, diese zu verkaufen. Seit dem Ausbruch von Corona im Land, hat sich die Lage noch einmal deutlich verschärft. Offiziell gibt es zwar nur wenige bestätigte
Fälle – das liegt aber eher daran, dass kaum getestet wird, denn der Bürgerkrieg macht auch vor den Gesundheitseinrichtungen nicht Halt. So werden gezielt Krankenhäuser angegriffen und immer wieder auch Corona-Quarantänezentren.

 

Im Traum erschienen
Aber die Arbeit der Christen ist nicht umsonst. Einige Menschen im Jemen zeigen sich offen für das Evangelium. Während der wiederkehrenden Verteilung der Essenspakete geben sich die Helfer vorsichtig als Christen zu erkennen, was Gespräche über ihren Glauben nach sich zieht. Ähnlich wie in anderen Ländern im Nahen Osten berichten auch im Jemen Muslime von Träumen, in denen sie Jesus oder Engeln begegnen. Das erlebte auch Aisha (Name geändert). Sie wohnte mit ihrem kranken Mann und ihren Kindern in einem kleinen Dorf. Den ganzen Tag hatte die Familie noch nichts zu essen und sie befürchteten, dass sich das auch am nächsten Tag nicht ändern würde. In der
Nacht erschien Aisha ein Mann mit leuchtenden Kleidern im Traum und tröstete sie: „Hab keine Angst! Morgen wirst du Essen haben und du wirst nie wieder ohne sein!“ Am nächsten Tag brachte ihr ein Unbekannter etwas Nahrung. Die verblüffte Frau erzählte ihm, was sie nachts erlebt hatte. Der Mann gab sich als Christ zu erkennen und erzählte der Familie von Jesus. Aisha hat sich noch nicht dazu entschieden, Christin zu werden. Doch sie ist von der Botschaft eines kümmernden und liebenden Gottes
tief beeindruckt und stellt viele Fragen über Jesus – auch wenn dieses Interesse für sie bereits gefährlich ist.

 

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