Damaris berichtet in diesem Interview, welche Spuren ihr Co-Workers-Einsatz hinterlassen hat und wie diese bis heute ihr ehrenamtliches Engagement prägen.

Du warst mit Co-Workers International in Brasilien im Einsatz. Was hast du dort gemacht und was würdest du im Nachhinein sagen hat dich am meisten geprägt?
Ich war für ein halbes Jahr mit Co-Workers in Brasilien in der Stadt São Paulo. In dem Rotlichtviertel "Luz" leben viele Obdachlose, Drogenabhängige, Prostituierte und Transvestiten. Die christliche Mission "Cena" möchte die Menschen in diesem Viertel unterstützen und den Glauben an Gott vorleben und weitergeben. Die Cena veranstaltet Obdachlosenspeisungen und evangelisiert auf der Straße. Zudem gibt es eine Kindertagesstätte für sozial benachteiligte Kinder, eine Rehabilitationsfarm für Drogenabhängige und ein Reintegrationshaus. Als Co-Workerin konnte ich in allen Bereichen mitarbeiten und die einheimischen Missionare unterstützen. Besonders geprägt haben mich die Gebete der Brasilianer. Dort konnte ich zum erstem Mal erleben, wie echtes Vertrauen in Gott aussieht, da die Brasilianer wirklich mit allem - mit großen Gebetsanliegen und auch mit Kleinigkeiten - vor Gott gekommen sind und viele Wunder erlebt haben.

Du bist seit drei Jahren aus Brasilien zurück. Was hat sich seitdem bei dir getan?
Ich habe im Herbst 2013 angefangen an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg den Studiengang Diakoniewissenschaft und Soziale Arbeit zu studieren. Inzwischen bin ich im 6. Semester und schreibe im Herbst meine erste Bachelorarbeit. Letztes Jahr haben mein Verlobter Markus und ich geheiratet. Er war ein Jahr vor mir mit Co-Workers in Äthiopien. Wir wohnen jetzt zusammen in Ludwisgburg.

Dir ist es ja nun auch wichtig geworden mit Flüchtlingen zusammen zu arbeiten. Wie kam die Mitarbeit in dem Bereich? Was machst du genau und was ist deine Motivation dafür?
Als ich angefangen habe in Ludwigsburg zu studieren war ich auf der Suche nach einem Ehrenamt und bin auf den Verein "Aktion Integration" e.V. (kurz: AKI) gestoßen. Das ist ein christlicher Verein, der den Flüchtlingen in Ludwigsburg eine Plattform bieten möchte, um sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Das geschieht durch Beziehungsarbeit, Deutschkurse, gemeinsame Aktionen, Kinder- und Jugendarbeit, einen internationalen Gottesdienst und ein geistliches Angebot. Durch AKI entstehen viele Freundschaften zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Erstaunlich ist, dass auch viele Muslime sich für den christlichen Glauben interessieren und das geistliche Angebot wahrnehmen, in dem die Geschichten in der Bibel in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. Ich arbeite seit 2013 bei AKI mit und leite inzwischen den Bereich Kinder- und Jugendarbeit gemeinsam mit meinem Ehemann Markus. Dabei gestalten wir bei den internationalen Gottesdiensten den Kindergottesdienst für etwa 30 Kinder aus den Flüchtlingsfamilien. Zudem findet wöchentlich ein Kinderprogramm statt, bei dem wir mit den Kindern singen, spielen und Geschichten aus der Bibel erzählen. Zur Zeit sind wir dabei ein neues Angebot zu entwickeln, um die Kinder in ihrem Schulalltag in den Vorbereitungsklassen zu unterstützen. An dieser Arbeit motiviert mich in erster Linie, dass ich Gott dadurch dienen möchte. Mich berühren die Geschichten der Flüchtlinge sehr und ich möchte dazu beitragen ihnen den Einstieg in ihr neues Leben in Deutschland so leicht wie möglich zu machen. Außerdem ist es mir ein Herzensanliegen, dazu beizutragen, Matthäus 25,35 heute wahrzumachen: "Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen". Dieser Vers stellt auch das Motto von AKI dar.

Gibt es eine besondere Begegnung oder Begebenheit mit der du uns Anteil geben möchtest an deiner Arbeit mit den Flüchtlingen?
Zu unserem Bereich gehört auch die Geschenke-Aktion "Sternschnuppe". Jährlich findet zu Weihnachten diese Aktion statt, bei dem die Ludwigsburger die Möglichkeit haben Kindern aus Flüchtlingsfamilien mit einem Weihnachtsgeschenk eine Freude zu machen. Im Jahr 2014 kamen über 1200 Geschenke zusammen, die wir kurz vor Heiligabend an alle Flüchtlingskinder im ganzen Landkreis Ludwigsburg verteilt haben. Es war ein totales Wunder, dass so viele Geschenke zusammen gekommen sind und so schön zu sehen, wie die Kinder sich über ihre Geschenke gefreut haben. Immer wieder beeindruckend ist für mich auch die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft der Flüchtlinge.

Wenn du an die vielen Flüchtlinge in unserem Land denkst, was wünscht du dir dann von uns Deutschen? Was wünschst du dir für die Flüchtlinge?
Ich finde es toll, wie viele Leute sich schon für Flüchtlinge engagieren und sie in Deutschland willkommen heißen. Trotzdem würde ich mir noch viel mehr wünschen, dass die Flüchtlinge nicht als politisches Problem, sondern als traumatisierte Menschen in Not wahrgenommen werden. Ich denke, wenn die Herzen der Deutschen sich verändern dann ist der erste Schritt getan, um den Flüchtlingen hier ein sicheres Zuhause zu geben. Ich träume davon, dass alle Deutschen diesen Menschen mit Liebe begegnen und gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Flüchtlinge in ihrer Situation zu unterstützen mit Gebet und auch praktischer Hilfe. Für die Flüchtlinge wünsche ich mir, dass sie nach all dem Schrecklichen, was sie in ihrem Heimatland und auf der Reise hierher erlebten, nun die Möglichkeit haben ein Leben in Frieden und Sicherheit zu beginnen. Mein großer Traum wäre natürlich, wenn Flüchtlinge hier in Deutschland Jesus kennenlernen.