Ähnlich wie die meisten meiner Freiwilligen-Kollegen habe ich dieses Jahr mein Abitur gemacht und wollte raus, die Welt entdecken. Ich wollte weit weg von Zuhause ein Jahr in ein fremdes Land mit anderer Sprache und anderer Kultur, das typische „Auslandsjahr Abenteuer“ eben. Ich dachte auch, dass ich so Gott am besten näherkommen kann. Also entschied ich mich Anfang dieses Jahres für eine Stelle in Ruanda, die zu meinen Vorstellungen gepasst hat. Alles lief reibungslos in der Vorbereitung; der Kontakt zu den Missionaren vor Ort war da, die Impfungen waren halb abgeschlossen und ich war fest der Überzeugung, dass Gott mich dort haben will. Und dann kam das Virus. Ausgangssperre, Versammlungsverbot, geschlossene Grenzen und eine deutschlandweite Rückholaktion der Freiwilligen ließen den Einsatz wieder in weite Ferne rücken. Viele Fragen waren offen; wann öffnet Deutschland die Grenze wieder? Werden Auslandseinsätze möglich sein? Lässt Ruanda überhaupt Freiwillige ins Land? Und die größte Frage: Will Gott mich überhaupt in Afrika oder hat er etwas anderes mit mir vor? Alles Fragen, die keiner beantworten konnte und so sagte ich ganz einfach zu Gott „…dein Wille geschehe“ (Math. 6,10). Ich sagte zu Gott; „Wenn du mich in Ruanda haben willst, dann schenke mir ein Visum und einen Flug und wenn nicht, dann sende mich dorthin wo du mich haben willst.“ Und Gott hat NEIN zu Ruanda gesagt. Er hatte andere Pläne mit mir.

 

Im nächsten Telefonat mit CFI wurde klar, dass die Chancen ein Arbeitsvisum zu bekommen, ohne davor eine Berufsausbildung abgeschlossen zu haben, gegen Null gehen und dass ich mir eine ernsthafte Alternative überlegen sollte. Mir war von da an klar, dass Gott anderes mit mir vorhat. Ein paar Tage später kam also die E-Mail mit der Alternativstelle in Meran. Radioarbeit in Südtirol… das entsprach überhaupt nicht meinen Vorstellungen von Auslandsjahr. Ich wollte weg von zu Hause und die Welt sehen und jetzt wohne ich dreieinhalb Stunden mit dem Auto weg von meiner Heimatstadt München, in einer Region in der man Deutsch spricht mit einer Kultur, der der bayrischen nicht hätte ähnlicher seien können. Hinzu kommt noch, dass ich von Technik, geschweige denn Radio, überhaupt keine Ahnung habe. Aber genau hier wollte Gott mich haben.

 

Das ist zumindest die Erfahrung, die ich während des ersten Monats meines Einsatzes machen konnte. Ich bin in einem super freundlichen und herzlichen Umfeld gelandet und darf eine Arbeit machen, die für die ganze Region Südtirol und darüber hinaus enormen Wert hat. Zugegeben, es ist nicht das Abenteuer geworden, das ich mir unter Auslandsjahr vorgestellt hatte, aber was ich in dieser kurzen Zeit über Gott und mich selbst lernen konnte, hätte ich vorher nie gedacht. Jedes Mal, wenn wir über den Hörerservice begeisterte Anrufe oder Emails von Menschen bekommen, die über den Radiosender zum Glauben gekommen sind, wird mir neu bewusst wie kostbar der Sender und auch unser Dienst hier in Südtirol im Radio ist. Um Gottes Botschaft zu verkünden muss man nicht unbedingt nach Afrika gehen, sondern Mission beginnt oft schon gleich vor der eigenen Haustür oder wie in meinem Fall, in Südtirol. Im Nachhinein bleibt mir gar nichts anderes übrig, als Gott dafür zu danken mich hier ins traumhaft schöne Südtirol gerufen zu haben, um hier mitzuhelfen den Menschen die frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkünden und sie im Glauben zu stärken. Allein, dass ich in diesen Zeiten überhaupt einen Einsatz machen darf, ist schon ein großes Geschenk und Privileg.

 

Mit dieser Erfahrung und Gewissheit kann ich nun auf einen wirklich tollen Einsatzstart zurückblicken und bin gespannt was ich in Südtirol noch alles erleben und lernen kann.