Hinter uns liegt das wohl verrückteste und herausforderndste Jahr seit Langem. Vielleicht fragt ihr euch auch manchmal: Was war das denn eigentlich für ein Jahr? Wir haben unterschiedliche Leute, mit denen wir im letzten Jahr zu tun hatten, nach ihren 2020-Erlebnissen gefragt. Und was rauskommt ist einfach nur krass ermutigend. Lest selbst.

 

Philine sollte eigentlich schon nach Tansania ausgereist sein, um dort eine lokale Schule für Massaikinder zu unterstützen. Doch Gottes Pläne decken sich nicht immer mit unseren Plänen. Wie sie in diesem Jahr mit der Ungewissheit und den Zukunftsfragen umging, ist sehr ermutigend:

„Geplant war, dass ich mein Abiturzeugnis überreicht bekomme und kurze Zeit später das Land verlasse, um meinen Traum vom afrikanischen Leben zu verwirklichen. Durch die mittlerweile schon sehr lang anhaltende Covid-19-Pandemie wurden meine Pläne ziemlich durcheinandergeworfen. Mit viel Ungewissheit, aber mit Gottvertrauen, ging ich in die kommenden Monate. Im Vorbereitungsseminar von Co-Workers International erlebte ich dann meinen absoluten Tiefpunkt: Der Einsatz wird vorerst auf Januar verschoben. Gewissheit, ob es dann überhaupt klappt, konnte mir keiner geben. Ich stellte mir viele Fragen: Macht es überhaupt Sinn, weiter an einem Einsatz festzuhalten? Möchte mich Gott überhaupt in Tansania haben? Wie kann ich die Zeit bis dahin überbrücken? In dieser Situation begleitete mich das Lied „Way Maker“ von Leeland, in dem es heißt: „way maker, miracle worker, promise keeper, light in the darkness; my God, that is who you are.“ Beim Hören dieses Liedes wurde mir erstmal richtig bewusst, dass nicht mein Wille geschieht, sondern Gott den Plan für mein Leben hat und er mir diesen Weg auch zeigen wird, zu einem Zeitpunkt seiner Wahl.“



Im Fackelträgerzentrum Champfleuri kümmert sich Wiebke um das Wohl der Gäste: sie reinigt die Zimmer und bringt die Küche auf Vordermann. Wo sie dabei über den Tellerrand hinausschauen konnte und was für Perspektiven sie in alledem erhält, lest ihr hier:

Neben allen praktischen Fähigkeiten, dem Bibelwissen und den Französisch-Vokabeln, die ich mir hier angeeignet habe, habe ich vor allem Eines gelernt: Dass Putzen und praktische Arbeit richtig viel Freude machen können! In den letzten drei Monaten habe ich wahrscheinlich mehr geputzt als in meinem ganzen vorherigen Leben und merke immer wieder, wie wertvoll diese Zeit sein kann. Denn bei praktischer Arbeit kann man verschiedenste Dinge parallel tun – sei es, tiefgründige Gespräche mit den Mitfreiwilligen und Bibelschülern zu führen; Lobpreis-Musik, Predigten anzuhören; Bibelverse auswendig zu lernen oder einfach über die verschiedensten Themen nachzudenken und zu beten. Die Erkenntnis, dass Putzen nicht einfach nur Putzen ist, sondern man diese Zeit auch mit Gott verbringen kann, begeistert mich und schenkt mir eine ganz neue Perspektive auf meine Aufgaben hier.



Yannick ist bereits im Frühjahr 2020 wegen Corona ganz unterwartet aus seinem Einsatz zurückgekehrt. Er hat in Uganda in einem Kinderhaus und einer lokalen Schule mitgearbeitet. Was Yannick in einer scheinbar flüchtigen Alltagssituation erkannte, klingt immer noch nach:

Meine Highlights in Uganda waren die Besuche im Kinderhaus. Drei Mal die Woche haben wir dort mit den Kindern Zeit verbracht. Es war einfach so schön zu sehen, wie man diesen Kindern mit so einfachen Dingen eine so tiefe Freude bereiten konnte. Mit einem Ball, oder einem Seil – meist hat schon die bloße Anwesenheit gereicht – konnte man ein so unglaubliches Leuchten in den Augen der Kinder erzeugen. Und genau da durfte ich Gott begegnen. Eines Nachmittags hat es aus Strömen geregnet. Diesen Nachmittag, an dem wir lediglich Fangen im Regen gespielt haben, werde ich nie vergessen, denn da hat mir Gott gezeigt, dass wir genau so einen naiven Glauben wie ein Kind haben dürfen, ohne Zweifeln. Gott wohnt in jedem von uns und wir dürfen, wenn wir im Regen stehen, alle unsere Sorgen an ihn abgeben und mit ihm im Regen tanzen. Und genau diese Momente mit Gott, diese Momente der Erfüllung, diese Momente der Freiheit, haben mich damals immer wieder ermutigt und das tun sie heute noch.



Jonathan ist der Nachfolger von Yannick und ist im Oktober nach Uganda ausgereist. Vor der Ausreise lief vieles nicht nach Plan. Was Jonathan dennoch am Laufen hielt, erzählt er uns hier:

Bei all den Wirren und Unsicherheiten, mit denen ich im letzten Jahr konfrontiert wurde, habe ich auf Gott geschaut. Es war gut zu wissen, dass Gott da ist, egal was passiert und er seine Hand über mich hält. Trotzdem hätte ich mir manchmal eine eindeutige Anweisung, wie die eines Navis gewünscht. Aber Gott hat uns nicht umsonst einen Verstand und sein Wort gegeben. Diese reichen, ergänzt durch den Rat wohlmeinender Menschen, als Kompass aus. Und egal, ob ich nun in Deutschland bin oder in Uganda oder sonst wo, Gott kann durch mich wirken. Es kommt vor allem auf meine Bereitschaft an, mich gebrauchen zu lassen. In der Gewissheit, dass Gott der Herr meines Lebens ist, habe ich gewartet. Wenn Gott mich in Deutschland gebrauchen will, dann macht er mir das rechtzeitig klar. Und anderenfalls wollte ich im Vertrauen auf ihn weiter am Auslandseinsatz festhalten.



Das vergangene Jahr verlangte auch von uns als Co-Workers-Team immer wieder die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, manchmal umzukehren und uns neu zu orientieren. Auch wir konnten mit Gottes Hilfe an den Herausforderungen wachsen. Esther ermöglicht uns einen Blick hinter die Kulissen:

Das Wichtigste war für mich die Gewissheit, dass Gott trotz aller gescheiterten Pläne alles in seiner Hand hat und wir da nicht alleine durchgehen müssen. Er hat mir Kraft geschenkt über das hinaus, was ich eigentlich schaffen konnte. Wir haben auch als Team in dieser Zeit erlebt, wie sehr wir uns aufeinander verlassen können. Und was auch total gut getan hat, waren ganz viele dankbare Rückmeldungen von Freiwilligen, Eltern und Ehemaligen, die uns ermutigt haben. Und in allen durchkreuzten Plänen durfte ich lernen Gott zu vertrauen, dass es einen Plan F gibt, wenn Plan A bis E nicht funktionieren.