Linda (19) ist im vergangenen Sommer aus ihrem Jahreseinsatz mit Co-Workers International nach Deutschland zurückgekehrt. Hier schreibt sie, was es heißt, in Deutschland wieder anzukommen und warum das mehr als ein Neuanfang ist. 

 

Im letzten Jahr war ich in Kisoro, Uganda. Dort habe ich als Lernhelferin eine von Christliche Fachkräfte International ausgesandte Familie unterstützt und im Kinderhaus, einem Nachmittagsprogramm für die Kinder aus Kisoro, mitgeholfen. Es ist jetzt schon über drei Monate her, dass ich aus Uganda zurück nach Deutschland gekommen bin. Ich weiß noch, wie wir zurückgefahren sind und ich in Frieden Abschied nehmen konnte. Ich war dankbar für alles, was ich erlebt hatte und die Leute, denen ich begegnen durfte und gleichzeitig voll Freude auf zu Hause, meine Familie und Freunde und darauf, keine Flöhe mehr zu haben. Zurück in Deutschland war alles erst wieder „neu“ (das warme Wasser aus der Dusche, dass der Strom nicht ausfällt,...), aufregend und ereignisreich.


Erst mit der Zeit habe ich gemerkt, was ich aus Uganda vermisse. Nachdem die ersten aufregenden Wochen, gefüllt mit viel Programm, glücklichen Wiedersehen und viel zu erzählen und zu hören, vergangen waren, fiel es mir etwas schwerer, meinen Platz in Deutschland wieder zu finden. Ich befand mich in einer Zeit zwischen Rückkehr und Studium, wusste nicht genau wie ich diese Zeit nutzen wollte, und habe mir viele Fragen gestellt. Wie geht es weiter? Was ist der richtige Weg? Mit wem und auf welche Weise möchte ich Kontakt halten? Wie kann ich all das, was ich gelernt habe, auch in Deutschland in meinen Alltag integrieren? Ich habe es vermisst eine Aufgabe zu haben, einen festen Alltag und war von den vielen Möglichkeiten, die ich hatte, etwas überfordert. Doch gerade in dieser Zeit durfte ich erfahren, wie Jesus mich weiterhin begleitet hat und mich mit dem versorgt hat, was ich brauchte. Ich durfte viele gute Gespräche haben mit Leuten, die mich in meinen Fragen und Unsicherheiten gut verstehen konnten, was mir sehr geholfen hat.


Ich bin so dankbar, wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue. Dankbar, für all das, was ich gelernt habe, für die Menschen, die mich geprägt haben, für alle Erfahrungen, Herausforderungen und Freuden des Alltags in Uganda. Und ich konnte in Dankbarkeit auf dieses Jahr zurückschauen – ohne ihm hinterherzutrauern, sondern in der Gewissheit, dass es jetzt auch gut weitergeht.
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was ich im letzten Jahr gelernt habe und wie ich das jetzt auch weiterhin in meinen Alltag integrieren kann. Was ich auf jeden Fall gelernt habe, ist Geduld und Gottvertrauen, auch in Situationen, in denen ich seine Wege nicht verstehe. Und manchmal muss ich mich immer wieder neu daran erinnern, was ich gelernt habe. Dann merke ich wie ich ungeduldig bin und von manchen Dingen erwarte, dass sie jetzt so passieren, wie ich es mir erhoffe. Dann erinnere ich mich daran, dass ich gelernt habe, geduldig zu sein, dass Gott mich auch hier mit all dem versorgt, was ich brauche. Und in meiner Schwachheit und Unsicherheit, darf ich erleben, wie Gott stark und treu ist. Wie er mich besser kennt, als ich mich selbst und es sich lohnt, ihm zu vertrauen.


Ich schaue voller Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt, der vor mir liegt. Und obwohl viel Neues beginnt, ich würde nicht sagen, dass es ein Neuanfang ist. Denn das, was ich im letzten Jahr erlebt habe und lernen durfte, geht weiter. Auch hier in Deutschland. Klar, es werden neue Erfahrungen und Herausforderungen kommen. Doch ich darf ihnen mit den Erkenntnissen und Erfahrungen des letzten Jahres begegnen. Die Reise des letzten Jahres hört hier in Deutschland für mich nicht auf, sie geht weiter!