Seit September ist Nils (19) in Bolivien als Freiwilliger. Er berichtet von seinen allerersten Eindrücken und davon wie Gott seinen Platz in einem völlig fremden Land vorbereitet hat.

 

In der Kühle der Nacht kamen wir am Flughafen Cochabambas an und wurden in unsere Gastfamilien gefahren. Ein älteres Ehepaar erwartete mich, in Decken eingemummelt vor dem Garagentor ihrer Einfahrt stehend, und begrüßte mich in einer mir noch völlig fremden Sprache. Ich überragte beide um mindestens ein bis zwei Köpfe, doch nichtsdestotrotz ließ es sich der Mann in seiner Gastfreundschaft nicht nehmen, einen meiner beiden Koffer zu schleppen. Die Türen der kleinen Wohnung waren allesamt zu niedrig für mich und ich musste meinen Kopf einziehen, um nicht am Türbalken hängenzubleiben. Da es mitten in der Nacht war, verabschiedete sich meine neue Gastfamilie bald von mir, ich solle mich erst einmal ausruhen und wir würden uns am nächsten Morgen, in ein paar Stunden, wieder auf eine Tasse Mate-Tee treffen, um alles weitere zu besprechen. Da stand ich also nun in meinem 10 m2 Zimmer, das für die nächsten elf Monate mein Zuhause werden sollte. An der Wand begrüßten mich zwei freundlich dreinblickende Gesichter längst verstorbener Familienmitglieder und auch das restliche Ambiente des Zimmers erinnerte eher an den Einrichtungsstil zu Großmutters Zeiten.  

 

Gleichzeitig spürte ich jedoch auch, dass ich, auf eine mir völlig neue Art, angekommen war. Hatte Gott nicht exakt dieses Zimmer, diese Familie und meine zukünftige Arbeitsstelle für mich vorbereitet?! War das nicht genau der Ort, an dem er mich gebrauchen werden würde und an dem ich viel Neues von ihm lernen dürfte?! Bei diesen Gedanken überkam mich eine tiefe Dankbarkeit und ich setzte mich auf mein Bett. Die alten Metallfedern quietschten. Ich schloss die Augen und genoss die Ruhe, während ich in die Zweisamkeit mit Gott eintauchte. Für all die Bewahrung der langen Reise, für seine Gegenwart und für die neuen Eindrücke des Landes konnte ich ihm nur danken. Wenig später fing ich an, zum Klang von Lobpreismusik, meine Koffer auszuräumen und beim Öffnen des Schrankes entdeckte ich sogar noch einige alte Kleidungsstücke, die wohl einst meinen beiden Mitbewohnern an der Wand gehört hatten.

 

Die ersten Tage und Wochen vergingen rasend schnell. Erlebnisse, Eindrücke und Erkenntnisse prasselten auf mich ein. Schnell lernte ich meine Gastfamilie und die Arbeitsstelle besser kennen. Besonders wertvoll war für mich die Erfahrung, dass mich meine Gasteltern direkt als ihren Sohn aufnahmen und auch als einen solchen behandeln. Die riesige Stadt selbst, mit ihren knapp 650 Tausend Einwohnern, blieb für mich, als Kind aus einem kleinen Dorf, lange Zeit ein Labyrinth aus Straßenkreuzungen und Verkehrswidrigkeiten. Doch auch dort begegnete ich immer wieder der grenzenlosen Schönheit der Schöpfung Gottes. Die morgendlichen Fahrten in den viel zu kleinen und überfüllten Kleinbussen, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen, wurden für mich zu Gebetszeiten. Während ich also, Schulter an Schulter und mit eingezogenem Kopf auf den Ausstieg wartete, konnte ich meinem Schöpfer für einen neuen Tag danken.

 

Bei all den Schwierigkeiten der Sprachbarriere und den anstrengenden Unterrichtseinheiten, bei den täglichen Mittagessen mit den ärmsten der Schulkinder und der nicht enden wollenden Arbeit, bei all den Veränderungen meines Alltages und meines Umfeldes, bin ich froh, dass ich so einfach mit meiner Familie und Freunden in Kontakt bleiben kann. Doch was mich noch viel mehr begeistert, ist die Tatsache, dass unser Gott, der mich bereits in Deutschland begleitet und auf die Ausreise vorbereitet hat, auch hier meine Schritte leitet. Genauso schön ist es, gemeinsam mit den Menschen und Freunden aus der Gemeinde hier denselben Gott anzubeten wie zuhause und dass seine Zusagen und seine grenzenlose Liebe hier ebenso gelten.