Stuttgart (idea) – In Kolumbien leisten evangelikale Christen einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung zwischen Staatsmacht und Rebellengruppen. Diese Ansicht vertrat der Leiter der kolumbianischen Gefängnismission „Confraternidad Carcelaria de Colombia“ (CCC), Pastor Hernández Lácides, bei der Stuttgarter Konferenz für Weltmission am 30. Mai. 

 

In dem fast 50-jährigen Bürgerkrieg seien 220.000 Menschen gestorben, davon 80 Prozent Zivilisten, sagte Lácides. Die Gefängnismission sei unter anderem in dem Gefängnis von Medellin tätig, in dem die Mitglieder des früheren Drogenkartells von Pablo Escobar einsitzen. Sie organisiert Täter-Opfer-Gespräche und Ausbildungskonzepte für Ex-Kämpfer. Seit 2013 gründet die Organisation „Dörfer der Versöhnung“, in dem Täter und Opfer des Bürgerkriegs zusammen ihre Zukunft gestalten. Die Strafgefangenenarbeit „Seehaus“ aus Leonberg und die evangelischen Fachdienste „Christliche Fachkräfte International“ (CFI) unterstützen die Arbeit. „In all die Dunkelheit können wir Christen eine Botschaft der Versöhnung bringen, Menschen eine neue Lebensperspektive geben“, so Pastor Lácides.

 

Gott schenkt Frieden, wo alles verloren scheint

 

CFI-Direktor Ulrich Weinhold (Stuttgart) bezeichnete Kolumbien als Beispiel dafür, dass Gott Frieden schenkt, wo alles verloren scheint. In vielen weiteren Ländern wie Sri Lanka, Pakistan, Kuba und Äthiopien sei es wichtig, dass Christen aus Deutschland die einheimischen Christen unterstützten und in ihrer evangelistischen Arbeit durch medizinische, landwirtschaftliche oder beratende Projekte stärkten. Die Christen in Deutschland rief Weinhold dazu auf, allein auf Christus zu schauen und sich nicht vom Zeitgeist gefangen nehmen zu lassen. Sie sollten dankbar sein, dass sie nicht jedem Trend im Land hinterhereilen müssten, sondern sich auf das ewige Wort Gottes für seine Gemeinde verlassen könnten – und dazu nach wie vor alle Freiheit hätten.

 

Locker auf Social Media lamentieren – oder anpacken

 

Die kubanische Band „Monte de Sion“ schilderte die Situation in ihrem Heimtland. In Kuba gebe es zwar Einschränkungen und materielle Probleme, etwa die vor vier Wochen wiedereingeführte Lebensmittel-Rationierung, aber auch wachsende Gemeinden und großes Gottvertrauen. Die CFI-Mitarbeiterin Esther Köbele aus Mönchengladbach berichtete von ihrem Einsatz bei einer Familie in Kambodscha. Dort wird Prostituierten die Chance gegeben, aus dem Milieu auszusteigen, Traumata aufzuarbeiten und beruflich neu zu starten. Sie habe den Kindern dieser Frauen etwas vom verlorenen Selbstwertgefühl zurückgeben können, sagte Köbele. Weinhold dazu: „Man kann vom Sofa aus locker in Social Media lamentieren – oder rausgehen in den Schmutz der Straßen und selbst mit anpacken.“

 

Hahne: Retterliebe wichtiger als Weltuntergangsszenarien

 

Der Bestsellerautor Peter Hahne (Berlin) dankte den Veranstaltern, „dass sie unverbrüchlich zum unverkürzten Evangelium stehen“: „Es ist kein Wunder, dass aus diesem Geist heraus die meisten deutschen Missionare ausgesandt werden, weil ihnen die Retterliebe Jesu wichtiger ist als die dröhnenden Weltuntergansszenarien aktueller Politik.“ In ethischen Fragen, beim Thema Abtreibung oder der Gender-Ideologie, seien Christen, allen voran die verfassten Kirchen, kleinlaut geworden. „Stattdessen sollten wir Lautsprecher von Gottes Geboten sein und damit Dienstleister unserer Gesellschaft, die sonst einer Beliebigkeitsethik nach dem Motto ‚Heute so, morgen anders’ zum Opfer fällt.“ Selbst im Pietismus mache sich ganz offen Bibelkritik breit. „Nicht nur Kirchenleitungen und theologische Lehrer, auch der Pietismus gab unserer Gesellschaft einstmals hörbar Maß und Mitte, jetzt sind sie noch nicht mal mehr Mittelmaß“, so Hahne. Kaum jemand könne „spontan einen Bischofsnamen, ein Mitglied des Rates der EKD oder eine evangelikale Führungsfigur“ nennen. Veranstalter der Missionskonferenz waren die „Christliche Fachkräfte International“ mit rund 60 Entwicklungshelfern in 30 Ländern, die Fachstelle für Freiwilligendienste „Co-Workers International“ und „Hilfe für Brüder International“. Die drei Organisationen sandten auf der Konferenz 70 Mitarbeiter für einen ein- bis dreijährigen Dienst im Ausland aus. Mehr als 20 Bachelor- und Masterstudenten aus dem neuen Praktikumsprogramm „ChanceMent“ wurden in diesem Jahr bereits an ihre Einsatzstellen entsandt.

 

Sehen Sie hier auch den Kommentar von Ulrich Weinhold und Désirée Schad, der am 31.05.2019 bei "idea heute" ausgestrahlt wurde.