Auf den ersten Blick ist Christenverfolgung in einem so christlich geprägten Land wie Mexiko kaum vorstellbar: Über 80 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als
Katholiken, neun Prozent sind evangelisch. Trotzdem ist es gefährlich, Geistlicher in Mexiko zu sein. Immer wieder werden Pastoren und Priester von den Drogenkartellen
in die Mangel genommen. So müssen sie etwa Schutzgeld bezahlen, wenn sie ihre Gottesdienste halten wollen. Lassen sich die Gemeinden nicht auf dieses „Angebot“
ein, droht die Entführung oder gar Ermordung der Gemeindeleitung. Staat und Kirche scheinen hilflos diesen Angriffen hilflos gegenüber zu stehen.

 

Ahnenkult verweigert
Weniger bekannt ist, dass evangelikale Christen in den indigenen Dörfern angefeindet werden: das Gewohnheitsrecht wird ihnen in diesen Gemeinschaften zum Verhängnis.
Neben dem nationalen Recht stellen die indigenen Völker in den „leyes de usos y costumbres“ („Gesetze der Gewohnheiten und Bräuche“) ihre eigenen Regeln und Gesetze für das Zusammenleben auf. Ihr Glaube verknüpft dabei uralten Geisterglauben mit katholischen Riten. Im täglichen Leben ist in diesen Gebieten die Regierung mit der offiziell postulierten Glaubensfreiheit weit weg. Hier ist es vielmehr wichtig, sich an den Aufgaben der Gemeinschaft zu beteiligen. Und das bedeutet häufig, bei einer der  zahlreichen Prozessionen und Feierlichkeiten für Heilige und Ahnen mitzuhelfen. Wer solche Bräuche aufgrund seines Glaubens nicht unterstützen möchte, bekommt
die Ablehnung schnell zu spüren. Eine Missachtung der seit Jahrhunderten gelebten
Glaubenspraxis wird in der Gemeinschaft nicht geduldet und entsprechend bestraft:
Auf einmal ist das Haus von der Stromoder Wasserversorgung abgeschnitten, die
Ernte zerstört oder die Kinder bekommen keinen Platz an der Schule.

 

Mischung aus Katholizismus und Geisterglaube
Maria (Name geändert) kennt diese Art der Bedrängung nur zu gut. Die Christin lebt
selbst in einem indigenen Dorf mit 500 Einwohnern im Bundesstaat Oaxaca. Wie die anderen praktizierte auch sie eine Mischung aus Katholizismus und Geisterglaube, spürte aber die Sehnsucht, Gott näher kennenzulernen. Eines Tages stieß sie im Radio auf einen christlichen Sender, durch den sie mehr aus der Bibel erfuhr. Dass sie sich veränderte, blieb in ihrer Umgebung nicht lange unentdeckt: Der katholische Geistliche in ihrem Dorf reagierte auf Nachfragen über christliche Themen mit Ablehnung. Für sie war Maria eine Evangelikale und damit auch eine Gegnerin der katholischen Lehre geworden.

 

Was dem Dorf ein Dorn im Auge ist
Seitdem begegnen ihr die Nachbarn mit Misstrauen und achten genau darauf, was sie und ihre Familie machen und mit wem sie sich treffen. Denn Maria und einige andere Christen in der Umgebung möchten eine eigene Gemeinde gründen anstatt sich im Privaten zu treffen. Das ist der Dorfgemeinschaft jedoch ein Dorn im Auge. Wer regelmäßig zu Maria kommt, wird zum Dorfvorstand bestellt und ausgefragt. Die mutige Frau selbst wurde bereits mehrfach von ihnen verhört und bedroht, nicht weiter von Jesus zu erzählen. Frauen, die Maria besuchen, wird von ihren Ehemännern der Umgang mit der Christin verboten. So treffen sie sich heimlich und geben beispielsweise vor, gemeinsam im Wald Holz sammeln zu gehen.

 

Ängste abbauen
Trotz des ständigen Drucks nicht einfach aufzugeben, ist manchmal kompliziert. Eliseo, ein Pastor aus der Region, der sie in ihrer Arbeit unterstützt, ermutigt Maria und
die anderen Christen trotz aller Schwierigkeiten in ihrem Umfeld zu bleiben und sich
mit ihren Möglichkeiten in der Dorfgemeinschaft einzubringen. So können sie mit anderen ins Gespräch kommen, ihren Lebensstil erklären und Ängste abbauen.

 

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