Was hat dich außerhalb von Corona in den letzten Monaten beschäftigt?
Die letzten Monate waren ganz schön aufregend. Ende Mai hat bei uns im Werk ein Leitungswechsel stattgefunden. Unser vorheriger Direktor Ulrich Weinhold hat die Gesamtverantwortung abgegeben und ein Leitungsteam bestehend aus Tobias, Bernd und mir hat die Leitung übernommen. Das war schon lange so angedacht und trotzdem ist dann der Tag 1 der neuen Verantwortung eine besondere und aufregende Sache!


Was steckt eigentlich hinter so einer Geschäftsleitung?
An und für sich bedeutet eine Geschäftsleitung, darauf zu achten, dass „der Laden läuft“ und dafür die Verantwortung zu tragen. Als christliches Werk bedeutet das für uns, dass wir unseren Geschwistern auf der ganzen Welt dienen und sie in ihrem Glauben und Leben unterstützen. Zum anderen heißt Geschäftsleitung, diese Zielsetzung mit einem guten Mitarbeiterteam umzusetzen und für einen Rahmen zu sorgen, in dem die Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit gut machen können.
Es heißt nicht, in alles involviert zu sein und alles entscheiden zu müssen. Es ist ein gemeinsames Gestalten und eine gemeinsame Zuversicht, dass Gott durch uns wirkt.


Was bedeutet das für dich persönlich?
Neu ist der Gestaltungsspielraum, das macht mir persönlich viel Freude! Neu ist auch, mehr Verantwortung zu tragen. Das ist nicht immer einfach, gehört aber auch dazu, besonders in schwierigen Zeiten und bei unangenehmen Entscheidungen wird das spürbar. Das Coole ist, dass wir zu dritt sind. Ich verstehe mich mit meinen zwei Leiterkollegen sehr gut und das ist echt viel wert! Insgesamt bedeutet es für mich, immer wieder die Stille vor Gott zu suchen, um Dinge mit ihm zu besprechen und ihm abzugeben.


Wie hast du diesen Wechsel begangen?
Der Wechsel ist ja mitten in den Lockdown gefallen, sodass Feiern nur begrenzt möglich war. Ich habe mich mit Tobias und Bernd zu einem sehr schönen Grillabend im Garten getroffen.


Wie bist eigentlich auf die Idee gekommen, das zu machen?
Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, in unserem Werk mehr als zwei oder drei Jahre zu bleiben. Das hat sich inzwischen ausgedehnt auf 8 Jahre und es werden wohl noch mehr werden. Irgendwie ist immer eins ums andere gekommen. Nachdem ich drei Jahre da war, wurde ich gefragt, ob ich die Leitung des Co-Workers Teams übernehme und dann kamen über die Jahre die Überlegungen, dass wir drei Leiter die gesamte Geschäftsleitung machen. Obwohl ich mir diesen Weg nicht immer selbst ausgedacht habe, weiß ich mich von Gott an den richtigen Platz gestellt. Ich weiß, dass er möchte, dass ich mich hier mit meinen Gaben und Fähigkeiten einbringe.


Das ist ja auch eine große Verantwortung, eine große Aufgabe. Gibt es Dinge vor denen du besonderen Respekt hast?
Aktuell macht es mir große Sorgen, was die Covid-19 Pandemie an Auswirkungen für die gesamte Missionsarbeit weltweit bedeutet. Einige Missionsexperten gehen davon aus, dass die Haltung von Staaten autoritärer wird und Freiheiten abnehmen werden. Das kann insbesondere für Christen einen engeren Handlungsrahmen bedeuten, mehr Beobachtung, mehr Verfolgung, extremere Positionen gegen sie. Außerdem sieht es aktuell so aus, dass Menschen eher eine Angst vor dem Ausland entwickeln und nationaler denken. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen werden stark sein. Für die Missionsarbeit ist das alles gravierend: es wird wahrscheinlich schwerer werden, Auslandsmitarbeiter zu gewinnen. Es kann bedeuten, dass Visaverfahren eingeschränkt werden oder Geldtransaktionen schwerer handzuhaben sind. Vor all dem habe ich großen Respekt, aber ich weiß auch, dass wir einen großen Gott haben. Gott hatte schon immer kreative Lösungen auf unsere scheinbar unlösbare Probleme.


Was ist dir wichtig? Für was willst du dich besonders einsetzen?
Die stärkste Erfahrung, die ich bisher gemacht habe, ist die bedingungslose Liebe Gottes zu erleben. Ich weiß, dass diese bedingungslose Liebe nicht nur mir gilt, sondern allen Menschen und ich wünsche mir sehr, dass das mehr und mehr Menschen auf der ganzen Welt erfahren dürfen. Deshalb bin ich begeistert in diesem Werk zu arbeiten, das genau das zum Ziel hat. Ich will mich dafür einsetzen, dass Menschen gerade in den ärmsten Regionen der Welt von Gottes Gnade hören und sie ganz praktisch erfahren dürfen.


Ich freue mich, dass Gott mir und uns allen einen Gestaltungsspielraum gegeben hat und ich wünsche mir, dass wir ihn gemeinsam zu seiner Ehre nutzen.