Ich bin Anaïs und für ein Jahr als Lernhelferin mit Co-Workers International in Malawi, Nkhoma im Einsatz. In den letzten Monaten gab es in meinem Einsatz einige Veränderungen. Mitte März stand ich corona-bedingt plötzlich vor der Entscheidung, ob ich in meinem Einsatz bleiben wollte oder wie meine beiden Mitfreiwilligen Anna und Tanja zurück nach Deutschland gehe. Nach vielen Tränen, Gebet und Gesprächen mit meinen Eltern, Gasteltern und natürlich Anna und Tanja, hatte ich mich dann entschlossen, in Malawi zu bleiben. Damit war klar, dass ich erst einmal auf unbestimmte Zeit bleibe, da seitdem keine Flugzeuge mehr unterwegs waren. Ich hatte einen tiefen Frieden über meiner Entscheidung und wusste, dass ich mich hier in Nkhoma weiter für Gott einsetzen kann.


Durch meine Aufgaben kann ich andere unterstützen und ich weiß, dass es ein besonderes Geschenk ist, hier zu sein. Die Arbeit als Lernhelferin ist soweit gleich geblieben. Jedoch investiere ich in meiner Freizeit, seit meine beiden Mitfreiwilligen leider abreisen mussten, sehr viel Zeit in die Kinder im Waisenheim. Dort fühle ich mich unfassbar wohl und sehe, wie wertvoll es ist, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, sie mit Gottes Augen zu sehen und zu lieben. Mir ist es ein Herzenswunsch, in diese Kinder zu investieren, deren Vergangenheit oft fatal ist und deren Auswirkungen bis heute zu sehen sind.


In meiner Zeit in Malawi darf ich immer wieder staunen, welche kostbaren Momente Gott für mich bereithält. Von einem dieser Momente möchte ich gerne berichten. Eines Tages saß ich, wie so oft, draußen in der Sonne und habe meine Bibel gelesen. Ich las die Passionsgeschichte Jesu und war gerade an der Stelle, als Jesus am Kreuz hängt. Da ich diese Geschichte schon oft gelesen habe, wünschte ich mir in diesem Moment nichts sehnlicher, als wieder etwas mehr von der Tiefe zu begreifen, die in dieser Passage steckt. Dann kam eine Freundin vorbei und wir redeten über genau diese Begebenheit am Kreuz und was dies für uns bedeutet. Wir waren richtig in unser Gespräch vertieft und unterhielten uns über die Größe Jesu, die er trotz seiner Erniedrigung dort am Kreuz zeigt, als plötzlich blitzschnell, wie aus dem Nichts, eine Schlange neben dem Stein hervor kam, auf dem ich saß. Wir beide waren völlig geschockt und wie erstarrt von der Situation. Unsere Augen waren auf die Schlange gerichtet. Das Thema, um das es vor wenigen Sekunden noch ging, war vergessen. Meine Aufmerksamkeit widmete ich einzig und allein der Schlange, die in dem Moment eine riesige Bedrohung für mich verkörperte. (Man muss natürlich dazu sagen, dass es hier in Malawi einige Giftschlangen gibt, die durchaus tödlich sind.) Die nächsten Minuten verbrachten wir damit, die Schlange so schnell wie möglich zu töten, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Nachdem die Schlange endlich tot war, kam ich nach all der Aufregung etwas zur Ruhe. Anschließend wurde mir schlagartig bewusst, was mir Jesus mit dieser eindrücklichen Begebenheit mitgeben wollte.

 

Es war, als würde er genau in dem Moment zu mir sagen: „Geliebtes Kind, ich habe am Kreuz alles Schlechte, ja sogar den Tod, überwunden. Warum hattest du Angst? Warum schenktest du der Schlange plötzlich so viel Aufmerksamkeit und hast mich in all deiner Aufregung ganz vergessen? Vertraust du mir überhaupt?“ Danach wurde ich richtig beschämt! Mir war klar, wie schnell ich meinen Blick von meinem Herrn abwende und nur noch auf die Gefahr fokussiert bin. An diesem Tag musste ich erneut lernen, den Blick nicht von Jesus zu verlieren. Wie oft lassen wir uns von den angeblich alles überwältigenden Umständen so manipulieren und vergessen dabei völlig, dass Jesus am Kreuz doch schon ALLES besiegt hat. Egal, wie die Umstände auch sind, er ist der, der alles in der Hand hat. Zum Schluss dieser Begebenheit stand für mich die Frage im Raum: „Vertraue ich in jeder Lage und hängt mein Vertrauen in meinen Gott von äußeren Umständen ab? Und habe ich das Werk am Kreuz überhaupt verstanden?“