Um der Perspektivlosigkeit und der Landflucht entgegenzutreten, haben Heiko und Romy Schwarz das "Suudu Jangirdu Ndun", ein Studienzentrum aufgebaut. Das einzige seiner Art in einem Umkreis von 150 Kilometern. Kernstück des Zentrums sind zehn mit Solarenergie betriebene Computer. An ihnen zeigt Heiko den jungen Leuten, wie man mit Schreib- und Grafiksoftware, Bildungs- und Kreativprogrammen umgeht. Andere Wissbegierige steigen mit Romy in die englische und – auf ausdrücklichen Wunsch der Teilnehmer – sogar in die deutsche Sprache ein. Oder sie singen, rappen und schauspielern im jährlichen Videoprojekt, das von den Jugendlichen getextet, arrangiert und produziert wird. Viele junge Leute gehören schon seit 3 bis 4 Jahren zu den "Stammkunden" und kommen täglich nach der Schule für mehrere Stunden ins Studienzentrum, um in Büchern und Zeitschriften zu lesen oder Hörbücher und Filme in ihrer Muttersprache Pular zu genießen.

 

Doch im Zentrum geht es um mehr als bloße Wissensvermittlung oder kulturellen Zeitvertreib. Viele der Jugendlichen wollen ausbrechen aus verknöcherten Dogmen und fatalistischen Kreisläufen. Sie wollen nach vorne gehen und ihre Zukunft gestalten, ohne die eigene kulturelle Identität zu verleugnen. Im Studienzentrum werden sie dazu ermuntert, selbstständig zu denken, sich selbst und ihre Welt zu hinterfragen. Damit neue Antworten möglich werden.