Der Agrarexperte war von 2001 bis 2007 in Haiti bei der einheimischen christlichen Entwicklungshilfe-Organisation SEED in Les Cayes tätig. Der Forstwirt begleitet einen befreundeten haitianischen Pfarrer in das Katastrophengebiet, dessen Gemeinde im vom Erdbeben schwer betroffenen Carrefour liegt. „Der Gemeindeleiter ist umgekommen, das Schicksal vieler Gemeindemitglieder ungewiss. Viele Überlebende sind schwer traumatisiert. Ich gehe dort hin, um seelsorgerlich zu begleiten, um mit Menschen zu beten und ihnen zu zeigen, dass die Gemeinden in Deutschland sie in der Stunde der schwersten Not nicht vergessen“, so Kai Bauer.
Neben der persönlichen Begleitung wird Kai Bauer prüfen, wo sinnvoll und nachhaltig geholfen werden kann, wenn die akuten Nöte beseitigt sind. Dabei unterstützen ihn die CFI-Kollegen Ulrike und Reinhard Schaller, die seit 10 Jahren vor Ort sind und 2010 eigentlich eine von ihnen betreute Handwerkerschule in einheimische Hände abgegeben hätten. Westlich der Hauptstadt berichten sie von immer mehr Menschen, die aus Port-au-Prince aufs Land flüchten, um dort zu überleben. Hier gebe es noch Trinkwasser und Nahrungsmittel. Für die letzten natürlichen Ressourcen der Region wird der hohe Nahrungs- und Brennstoffbedarf bald zum Problem. Wohnraum ist kaum vorhanden. Auch die Provinzkrankenhäuser sind überfüllt, Patienten werden auf dem Fußboden gelagert, Medikamente und Verbandstoffe gehen zur Neige. Es gibt keinen Nachschub.
Ulrike Schaller war bereits mit amerikanischen Ärzten im Einsatz, um aus dem Kreolischen zu Übersetzen. Die Kenntnis von Land und Leuten ist unabdingbar. Nur so erschließt sich auch die riesige geistliche Dimension der Naturkatastrophe. Die deutsche Ehefrau des Leiters der Landwirtschaftsschule SEED, Doris Clotaire (VDM) berichtet : „Für die meisten Haitianer ist es klar, dass Gott wirklich ein Gericht geschickt hat, um sein Volk hier aufzuwecken. Es gibt allen zu denken, dass gerade die Regierung lahm gelegt wurde, die meisten Hotels, großen Supermärkte, Kirchen und anderen großen Gebäude in Trümmern liegen.“ Viele der aufs Land Flüchtenden riefen "Jesus hat uns gerettet! Wir leben!". Hier wird Hilfe für Brüder International ansetzen und mit Literatur und im pastoralen Dienst helfen, den Menschen eine Verarbeitung des Traumas zu ermöglichen.
Hilfe für Brüder International wird über die Landwirtschaftsschule sowie den langjährigen Partner MEBSH – die „Evangelikale Baptisten-Mission im Süden Haitis“ – Projekte auflegen. Einen Schwerpunkt soll dabei neben Projekten in den Bereichen Landwirtschaft und Wasserbau die Versorgung Körperbehinderter bilden. In Haiti fehlen seit Jahren Fachkräfte im Bereich Physio- und Ergotherapie. Christliche Fachkräfte International hat immer wieder versucht, kompetente Mitarbeiter zu entsenden. Nun, nach dem Erdbeben, wird die Zahl der Körperbehinderten in die Höhe schnellen. Qualifizierte Hilfe über unseren Partner Lumiere Medical Ministries kann langfristig helfen, damit die Erdbebenopfer ein menschenwürdiger Leben haben. Die bereits länger ausgeschriebene Stelle in der Behindertenarbeit soll „erforderlichenfalls doppelt und dreifach besetzt werden, wenn das den Menschen helfen kann.“ Bewerbungen für Langzeiteinsätze in Haiti sind im Online-Verfahren möglich.


