Hallo Clemens! Du hast vor einiger Zeit einen Auslandseinsatz gemacht und bist inzwischen wieder fest im Alltag hier angekommen. Kannst du uns kurz mitnehmen und erklären, was du im Ausland gemacht hast und wo du jetzt bist?


Von August 2015 bis Juli 2016 war ich mit CFI-Freiwilligendienste in dem kleinen ostafrikanischen Staat Ruanda in der Stadt Musanze ganz im Norden des Landes. Meine Aufgaben dort waren sehr vielseitig. In erster Linie aber habe ich an einer Grundschule als Lehrer mitgearbeitet und durfte dort Sport-, Kunst-, und Musikunterricht geben. Im Laufe des Jahres taten sich noch viele weitere Chancen und Möglichkeiten auf, sich einzubringen und einzusetzen und es entstanden viele tiefe und wertvolle Freundschaften. Mittlerweile bin ich schon seit über einem Jahr wieder zurück aus Ruanda, und wieder im Ausland. Diesmal aber deutlich näher: In Wien habe ich eine Ausbildung zum Fluglotsen begonnen.


Du bist im Sommer 2016 wieder nach Deutschland gekommen. Bist du wieder ganz hier in Westeuropa angekommen?


Mittlerweile bin ich hier wieder angekommen. Ich habe mich an die vielen Autos, vollen Supermarktregale und andere Dinge gewöhnt und es scheint alles wie immer zu sein. Auf dem zweiten Blick dann fällt mir aber auch auf, wie sehr mich die Erfahrungen aus meinem Einsatz tagtäglich begleiten. Das fängt ganz einfach schon dabei an, dass eigentlich kein Tag vergeht, an dem ich nicht irgendwie an Ruanda denke.


Welche persönlichen Veränderungen aus deiner Einsatzzeit haben es bis ins hier und jetzt geschafft?


Ab und an merke ich, dass ich etwas von der afrikanischen Gelassenheit mitgenommen habe und vieles nicht mehr so wahnsinnig eng und streng sehe. Das ist sicher ein großer Gewinn für mein ganzes Leben, wie auch die Erweiterung des eigenen Horizontes: Oft sehen viele Geschehnisse in der Welt und in Europa aus dem neu hinzugewonnenen Blickwinkel  ganz anders aus. Nicht selten wunder ich mich, was für einen Wind man hier um manche Banalität macht. Dann merke ich, wie sehr mich die Zeit geprägt hat. Ich habe einen Eindruck davon bekommen, wie wenig viele Menschen zum Leben haben und zugleich auch, wie viel glücklicher die Menschen mit dem sind, was sie haben.


Was hat dich geistlich im Einsatz am meisten geprägt?


Geprägt hat mich vor allem, wie Gott mich durch schwierige Zeiten und Situationen getragen hat. Ich habe dadurch erfahren, wie abhängig ich von Ihm bin und wie essenziel wichtig es ist, dass Gott es ist, für den ich den Einsatz gemacht habe und der diesen Einsatz gebraucht. Er kann damit viel mehr tun kann, als es mir aus eigener Kraft je möglich wäre. Das ist großartig zu erleben. Nicht zuletzt haben mich die Christen in Ruanda immer wieder erstaunt, wie viel selbstverständlicher Gott für sie im Alltag eine Rolle spielt. Zum Beispiel auch, dass für Gäste gebetet wird, bevor sie das Haus verlassen.


Welche Rolle spielt Ruanda heute in deinem Leben?


In habe in Ruanda sicher so etwas wie eine zweite Heimat gefunden, deren Geschehnisse mich nicht gleichgültig lassen. Dank der modernen Kommunikationsmittel stehe ich mit den meisten Freunden aus Ruanda noch im engen Kontakt. Ganz unbewusst suche ich in Zeitungen und Nachrichten vor allem die Afrika-Artikel heraus und versuche so, immer auf dem Laufenden zu bleiben und bin dann auch im Gebet nah bei meinen Glaubensgeschwistern.


Was bleibt von deinem Einsatz?


Es bleiben vor allen viele wertvolle Freundschaften, aber auch wichtige Erfahrungen, berührende und lustige Erlebnisse und der Hang zur Internationalität: In Wien treffe ich mich wöchentlich mit einer bunten Mischung christlicher Studenten aus unterschiedlichsten Ländern, wo ich mich sehr wohl fühle und auch immer wieder an die prägende Zeit in Ruanda erinnern muss.


Vielen Dank Clemens für diesen interessanten Rückblick! Es ist echt erstaunlich zu sehen, wie ein Stück vom Einsatz weiter in dir lebt und dich diese Zeit in Ruanda geprägt hat. Wir wünschen dir Gottes Segen für deine Ausbildung und alles, was kommt!