Ich bin Esther, 18 Jahre alt und nun schon seid knapp über 4 Monaten mit Co-Workers International in Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha.

 

Meine Aufgaben hier sind sehr unterschiedlich. Ein ganz spannender und für mich neuer Bereich ist die Mitarbeit bei Daughters of Cambodia. Diese Organisation erreicht Sexarbeiterinnen, die in den Bordellen, Karaokes und Biergärten von Phnom Penh tätig sind. Den Frauen wird dort eine würdevolle Jobalternative geboten, um mit einem gesicherten Einkommen aus der Zwangsprostitution herauszukommen.

 

Als ich vor ziemlich genau einem Jahr das erste Mal von der Arbeit und der Stelle in Kambodscha hörte, haben bei mir erst einmal alle Alarmglocken geklingelt: Prostitution?! Wirklich? In so einem Umfeld soll ich arbeiten, darüber soll ich berichten? Ist das nicht ein Tabuthema, das man am liebsten einfach außen vor lässt? Es wurde auch nicht besser, als ich "Zwangsprostitution in Kambodscha" googelte, denn erst dann wurde mir wirklich bewusst, was für ein riesen Problem dieses Thema darstellt. Schnell kamen die ersten Selbstzweifel: Wie sollte ich als Abiturientin in einem Umfeld, in dem Misshandlung und Leid an der Tagesordnung sind, etwas bewirken? Konnte das wirklich Gottes Plan für mich sein???

 

Das alles ließ mich nicht los, bis ich dann im Oktober, kurz nach meinem 18.Geburtstag, im Flieger saß, auf dem Weg in ein Abenteuer, vor dem ich ziemlichen Respekt hatte und nicht wusste, was es mit sich bringen würde. Nachdem ich die ersten Wochen überall ein bisschen reingeschnuppert hatte, ging es dann Mitte November richtig los. Ich durfte bei den ersten Kursen dabei sein und konnte mit dem Englischunterricht anfangen. Meine ersten Eindrücke waren völlig anders, als erwartet! Für mich ist Sport nichts Neues, entweder hatte man es als Fach in der Schule oder man macht es sogar in seiner Freizeit, weil man weiß, dass es dem Körper gut tut. Hier jedoch machte ich die Erfahrung, dass Sport etwas völlig Neues sein kann. Ein gesundes Bewusstsein für seinen Körper zu haben, aktiv zu sein, Wasser zu trinken, für eine aufrechte Haltung zu sorgen…all das war den Frauen, mit denen ich im Sportkurs war, fremd. Von Anfang an jedoch war es einfach schön zu sehen, wie viel Freude der Kurs den Frauen macht, selbst wenn es weniger um den Sport, und mehr um die Gemeinschaft, ein bisschen Bewegung und einfach die Pause von der Arbeit geht, sie lachen und haben Spaß und das ist es, worauf es im Endeffekt ankommt. Es geht nicht immer darum, produktiv oder effektiv zu sein, wie ich es am Anfang erwartet hatte. Sondern es geht darum, den Frauen zu zeigen, dass sie in Gottes Augen wertvoll und geliebt sind.

 

Jetzt, 4 Monate später, bin ich schon voll und ganz angekommen und durfte in den letzten Monaten meine Arbeit und die Menschen hier kennenlernen. Das Bild, was ich zuvor von Prostitution gespeichert hatte, wurde kräftig durchgeschüttelt und bekommt immer wieder neue Eindrücke. Immer wieder arbeite ich auch in einem sogenannten Safehouse, wo misshandelte Mädchen im Alter von 3 bis 18 Jahre leben. Jedes dieser Mädchen hat eine grausame Geschichte hinter sich. Misshandlungen, die man sich gar nicht erst vorstellen will, auf eine Art und Weise, die einfach kein Mensch, geschweige denn ein junges Kind, jemals erleben sollte. Im Safehouse können sie nun leben, ohne dass ihre Eltern den Standort der Kinder wissen. Von dort werden sie zur Schule gebracht, abgeholt, betreut und haben sich untereinander. Bei all dem Leid ist es für mich einfach ein Wunder, wie glücklich und voller Liebe für Gott diese Mädchen sind! Wie sie lachen, wenn sie mir ein Lied in ihrer Sprache beibringen wollen, wie ihre Augen strahlen, wenn sie umarmt werden oder merken, dass man sie ins Herz geschlossen hat. Da merke ich immer wieder, dass Gott präsent ist, dass er das Leid und die Grausamkeit sieht und dass er einen Plan hat. Er kann heilen und selbst die schlimmste Vergangenheit in etwas Positives entwickeln.

 

Nun liegen noch 4 weitere Monate vor mir und ich bin gespannt, was in dieser Zeit noch auf mich zukommen wird, was Gott für einen Plan hat, sowohl mit den Menschen hier vor Ort als auch mit mir!